Artikel: Aggression als Chance und Aufgabe von Rüdiger Dahlke


aus: BIO 1/2004. Ein Gratisheft des laufenden Jahres kann angefordert werden beim:
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Meine persönlichen Anmerkungen finden sich kursiv geschrieben in Klammern.

Aggression als Chance und Aufgabe - Ein Hauptproblem im Umgang mit Aggression ist unser verhältnismäßig großer Widerstand. Dadurch erkennen wir gar nicht mehr, dass auch dieses Urprinzip wie alle anderen Urprinzipien zwei Seiten hat. Neben der Seite der Zerstörung gibt es auch die des Mutes und der Lebensenergie. Wir alle neigen dazu, Aggressionen zu unterdrücken. Doch dieses Urprinzip des Lebens lässt sich nicht so einfach verdrängen. In zunehmendem Maße äußert es sich in Autoaggressionskrankheiten wie Rheuma, Infektionen oder Allergien. erst, wenn wir bereit sind, uns auch mit dieser Seite unseres Wesen wie Wut und Ängsten auszusöhnen, können wir an Leib und Seele gesunden.

Dr. Rüdiger Dahlke, 52, Europäischer Medizinpreisträger 2003, arbeitet als Arzt und Therapeut am Heilkundezentrum Johanniskirchen. Als Seminarleiter und Vortragsreisender ist er weithin bekannt. Sein 1983 mit Thorwald Dethlefsen veröffentlichtes Buch "Krankheit als Weg" gilt heute als eines der wichtigsten Werke zum Thema Psychosomatik.

In Zeiten, wo Krieg wieder Mittel der Durchsetzung offensichtlicher Machtinteressen wird, mag dieser Anspruch und ein Titel wie "Aggression als Chance" provozierend wirken. Wie jedes Urprinzip hat auch das der Aggression zwei Seiten. Mit Gewalt fremde Ölquellen unter seinen Einfluss zu bringen, gehört sicher genauso zu den unerlösten Seiten des Marsprinzips wie Gewalt gegen Ausländer und überhaupt jede Form von Brutalität. Aber anstatt es auf andere Leute wie Politiker zu projizieren, läge es nahe, sich anzuschauen, wie es im eigenen Körperland im Hinblick auf das Marsprinzip ausschaut. Und plötzlich müssen wir feststellen, dass auch hier überall Kriege toben. Bei jeder Infektion liefert sich nämlich das Abwehrsystem heftige Schlachten mit den winzigen Angreifern der Erreger. Deren Zahl ist annähernd unbegrenzt und ihr Repertoire reicht von Bakterien über Viren bis zu Pilzen. Die Symptome der Entzündungen spiegeln die Hitze, bis zur akuten Schwellung aber auch den Schmerz.

Und so wie an vielen Orten ständig Bürgerkriege ausbrechen, führen die Immunsysteme von immer mehr Zivilisationsmenschen heftige Kriege gegen an sich harmlose Allergene, die lediglich durch ihre symbolische Bedeutung zum Problem werden. Die entsprechenden "Ausschläge" verraten ebenso wie das Brennen und Jucken und anschließende Aufkratzen wessen sie sind. Mit den Fingernägeln - den Resten der ursprünglichen Krallen - reißen sich die Betroffenen die eigene Haut, die Grenze nach draußen, auf.
Bei Autoaggressionskrankheiten wie Rheuma, MS oder Lupus bekämpft das Immunsystem sogar körpereigene Gewebe und deren Symbolik in zum Teil gefährlichen und nicht selten tödlich endenden Kriegen.
Auch alle Krankheitsbilder, die die Nägel betreffen - vom Nägelbeißen bis zum Fußpilz - gehören zum Aggressionsthema, wie aber auch die an den anderen Waffen, den Zähnen. Karies ist geradezu zur Volkskrankheit geworden und verrät wie es mit unserer kollektiven Waffenpflege steht und vor allem wie viel Biss wir haben. Bissige Menschen haben dagegen bereits ein Stauproblem mit ihrer Aggression, wenn auch Verbissene oder gar Zerknirschte hier noch stärker betroffen sind. Allein mit der Energie, die allnächtlich in deutschen Betten auf diese wenig erfreuliche Weise zum Einsatz kommt, könnten wir das Land auf Vordermann bringen. Dann nämlich, wenn es gelänge, diese Energie tagsüber in sinnvollere Kanäle zu lenken. Denn immerhin knirschen und malmen fast ein Viertel der Deutschen des Nachts verbissen vor sich hin und verprassen so die tags zuvor verdrückte Marsenergie.

Mit anderen Worten: Im Mikrokosmos Mensch und Makrokosmos Erde gibt es ständig Probleme mit dem Prinzip der Aggression. Wir neigen dazu, es immer und überall auf die unerlöste Ebene rutschen zu lassen und selbst dort noch zu unterdrücken. Mittlerweile haben wir dabei ein bedrohliches Niveau erreicht, und es wird höchste Zeit, auch wieder die positiven Seiten von Mars anzuerkennen. So etwa die Herausforderungen des Lebens anzugehen, die heißen Eisen anzupacken und sich mit neuen Themen und Aufgaben auseinander zu setzen.
Aber anstatt sich von den Herausforderungen des Lebens im positiven Sinne anregen zu lassen und offen für Neues zu sein, verweigern sich die meisten Menschen. Sie öffnen sich stattdessen unbewusst Erregern, die die gemiedenen Themen nun auf der Körperbühne zum Ausdruck bringen. Unsere über 20jährige Arbeit mit der Krankheitsbilder-Deutung, die sich in "Krankheit als Symbol" spiegelt, lässt keine Zweifel daran, dass der Körper überall dort mit "Darstellungsaufgaben" einspringen muss, wo die Seele sich drückt.

Die solcherart in den Körper gesunkene Thematik wird allerdings mit Hilfe der Schulmedizin aber auf der Körperebene weiter unterdrückt mittels eines Arsenals allopathischer Medikamente wie Antibiotika und Fieber senkender Mittel. Dass solche Verfahren die Abwehrkraft schwächen, ist der Naturheilkunde längst bekannt, aber auch die Universitätsmedizin kommt allmählich dahinter. Eine neuere Studie zeigt, dass Kinder, die in den ersten beiden Lebensjahren auch nur einmal mit entsprechenden Antibiotika behandelt wurden, später ein über 50 % erhöhtes Allergierisiko bekommen.
Das aber heißt nichts anderes, als dass die frühe Unterdrückung von Aggressionsproblemen, diese auf eine noch gefährlichere Ebene verlagert. Dass auch spätere Antibiotikagaben sich nicht gerade gesundheitsförderlich auswirken dürften, erscheint klar, ist aber nicht untersucht worden. Viele Beobachtungen sprechen dafür, dass diese Methoden einer Eskalation des Aggressionsthemas in die unerlöste Richtung Vorschub leisten und sich die Probleme sogar noch von der marsischen zur plutonischen Ebene verschieben. Mit deren Bewältigung haben wir dann noch mehr Schwierigkeiten. Denn während Mars die nach außen gerichtete Aggression vertritt, richtet sich die plutonische nach innen gegen den Menschen selbst.

Allein die persönliche Geschichte von Edward Jenner, dem Entdecker der Pockenimpfung, spricht eine deutliche Sprache für diejenigen, die gelernt haben, dass bereits im Anfang alles weitere begründet liegt, so wie im Samen schon der ganze Baum angelegt ist. (sh. auch ausführlichen Bericht zum Thema Impfen ab S. 20). Wenn wir weitere Krankheitsbilder untersuchen, wird klar, wie enorm hoch der Anteil des Aggressionsprinzips am Krankheitsgeschehen ist. Die neuerlich zur Lawine anwachsende Hyperaktivität vor allem bei Jungen ist ebenso ein Marsthema. In den USA werden bereits 4,5 Mio. Kinder mit Ritalin "versorgt". Einem Amphetamin, das von MDMA oder Ekstasy kaum zu unterscheiden und in Schweden längst verboten ist, aber bei uns von den Herstellern und willfährigen Ärzten weiterhin geradezu euphorisch propagiert und verschrieben wird.
In den USA hat sich bereits ein schwunghafter Schulhofhandel entwickelt, bei dem die Kleinen den Größeren ihre Ritalinpillen verhökern. Einerseits zwingen dort sogar schon Gerichte Eltern die Ritalintherapie auf, andererseits nimmt die US-Armee niemanden mehr auf, der nach dem 12. Lebensjahr Ritalin genommen hat. Der Grund: geistig-seelische Unzuverlässigkeit.

Das Problem ist durchaus nicht harmlos und auch nicht neu, wie der Zappelphilipp aus dem Struwwelpeter zeigt, den der deutsche Nervenarzt Hoffmann bereits vor langer Zeit unsterblich machte. Diese Kinder als sogenannte Indigos zu kommenden Erlösern hoch zu stilisieren, ist keine Hilfe für Mütter und Lehrer, die sich mit den kleinen Tyrannen herumschlagen müssen.
Zu bedenken ist auch, dass unsere Zeit das Phänomen geradezu fördert, etwa bei den Vätern der Kinder, die nicht selten hochgelobt ihre Hyperaktivität in der Arbeit austoben und durchaus auch unter dem "Aufmerksamkeitsmangelsyndrom" leiden. Nichts anderes heißt nämlich die Abkürzung ADS (Attention Deficiency Syndrom). Viele Ehefrauen können diesen Aufmerksamkeitsmangel, der wesentliche Bereiche des partnerschaftlichen und sozialen Lebens erfasst, bestätigen. (Als ich den Begriff das erste Mal hörte, dachte ich bezeichnenderweise, dass die Kinder unter einem Aufmerksamkeitsmangel von ihren Eltern leiden bis meine Schwester mir erklärte, dass sie selber Probleme haben, längerfristige Aufmerksamkeit aufzubringen.)
Bedenkt man, dass auch Mozart und Beethoven zu den Zappelphilippen gehörten, wird klar, dass wir zu viel zauberhafte Musik niemals zu hören bekommen hätten, wenn es damals schon Ritalin gegeben hätte. Statt diese Kinder mit Drogen, die ansonsten geradezu als Teufelszeug verschrieben sind, niederzumachen oder sie und ihre offensichtlichen Probleme hoch zu stilisieren, wäre es sehr viel besser, ihnen sinnvollere Ventile für ihre marsische Energie zu verschaffen.
In einem Urlaub beispielsweise könnten die Kinder über herausfordernde körperliche Anstrengungen auf sportlicher und geistiger Ebene so gefordert werden, dass sie abends rechtschaffend müde wären (im Vortrag verwendete er den Begriff "streichfähig"..). Würden sie obendrein noch mit - im Sinne der chinesischen Elementenlehre - kühlenden Lebensmitteln versorgt, wäre die überschießende Energie rasch in den Griff zu bekommen. Bei der Rückkehr in die an sich kinderfeindlichen Städte könnte man auf Sportvereine setzen, um das Auslastungsprogramm fortzusetzen.
Ein Beispiel, wie Eltern so ein hyperaktives Kind umpolen können, mag folgender Fall verdeutlichen: Die Eltern nehmen den elfjährigen Karsten mit in einen vierwöchigen Urlaub. Mit Bergtouren und anderen wechselnden Sportaktivitäten halten sie ihn dermaßen unter Feuer, dass dieser jeden Abend froh ist, sich ausruhen zu können. Beide Eltern verwickeln ihn auch immer wieder in spannende Diskussionen, die sich zum Beispiel an gemeinsam gesehenen Filmen zu Themen des Jungen anschließen, und den Jungen leicht überfordern, so dass er gegen Abend auch noch geistig erschöpft ist.
Zusätzlich wird die Ernährung nach den Richtlinien der Traditionellen Chinesischen Medizin umgestellt. Karsten bekommt vorwiegend kühlendes Essen. Schon vor Ende des Urlaubs ist die Hyperaktivität kein Thema mehr, der Aufmerksamkeits- und Konzentrationsmangel hat sich weitgehend gebessert. Nach dem Urlaub, nach dem es auch beiden Eltern einzeln und in ihrer Beziehung zueinander besser geht, wird das Sportprogramm mit regelmäßigen Squash-Einheiten von Vater und Sohn fortgesetzt. Außerdem geht der Junge in einen Sportverein und trainiert regelmäßig und hart. Auf Ritalin kann nun völlig - auch in Übereinstimmung mit den Lehrern - verzichtet werden.

Wie Heilung von Grund auf geschehen kann

Am Übergang zwischen Mars- und Plutoproblemen begegnen wir Krankheitsbildern wie Magengeschwüren und vor allem Krebs, an dem immerhin fast die Hälfte unserer Bevölkerung erkrankt. Patienten mit Magengeschwüren neigen dazu, Emotionen zu schlucken, anstatt sie auszudrücken. Sie machen aus ihren Herzen die berüchtigten Mördergruben und werden im ganz konkreten Sinn zu den sprichwörtlichen armen Schluckern, die alles in sich hineinfressen. Wer aber Wut hinunterwürgt, produziert genauso Magensäure, wie wenn er Essen schluckt (Da fällt mir etwas ähnliches ein, wo der Körper rein auf "Gedanken" reagiert - Meister Li sagte, dass die Bauchspeicheldrüse beim Anblick von Zucker oder Obst schon Insulin zu produzieren beginnt. Das finde ich beides jetzt echt erstaunlich!). Die Säure fängt nun an, die eigene Magenwand anzudauen, so dass ein Krater entsteht, den wir in diesem Fall Ulcus oder eben Geschwür nennen. Die Lösung klingt einfach und liegt darin, seinem Herzen Luft zu machen, Emotionen mutig auszudrücken und sich wirklich offensiv mit ihnen zu beschäftigen.
Beim Krebs kommt zuerst die pervertierte Marsenergie zum Einsatz, wenn die entarteten Zellen aggressiv infiltrierend in fremde Reviere wachsen und zerstören, was ihnen in den Weg kommt. Gegen Ende überwiegen aber die selbstzerstörerischen Elemente, wenn im Inneren der Tumore die Zellen absterben und schließlich mit dem Tod des Wirtsorganismus auch der Krebs selbst zu Grunde geht. Er zerstört sich selbst die eigene Lebensbasis und ist folglich autoaggressiv.
Auf dieser Basis könnte auch deutlich werden, warum sich Spontanremissionen, wie die Schulmedizin schamhaft die immer wieder auftretenden Wunderheilungen nennt, vor allem bei jenen Patienten ereignen, die nach der Diagnose radikale Schritte zu sich selbst machen. Menschen, denen es gelingt, ihr eigenes Leben selbst in die Hand zu nehmen und mutige Schritte zur eigenen Selbstverwirklichung unternehmen. Wo offensive Selbstbestimmung und radikale Wandlungen zur Lebensdevise werden, nehmen die Betroffenen der Körperbühne sozusagen die Darstellungsaufgabe ab und Gesundung kann tatsächlich auch noch in fortgeschrittenen Stadien geschehen.

So kann der Mut zum eigenen Leben mit seinen individuellen Aufgaben, der Kampf um Selbstbestimmung und Autonomie im tiefsten Sinne zur Lösung solch einer Bedrohung werden. Radikale Schritte zu sich selbst sind häufig der Schlüssel. Im Anfangsstadium einer Krebserkrankung können noch marsische aggressive Tendenzen genügen, in späteren Stadien sind plutonische Einlösungen zwingend notwendig.
Die Einlösung von Plutoproblemen läge in der totalen Wandlung im Sinne der Metamorphose und der Metanoia, der tiefsten Reue, wie sie in der Antike noch Thema war. Die sprichwörtliche Wandlung des Christenjägers und -mörders Saulus zu Paulus, dem politischen Wegbereiter des Christentums wäre solch ein Beispiel. Aber auch die Wandlung des stadtbekannten Playboys Francesco zu jenem Franz von Assisi, der später Gott bitten würde, ihn zum Werkzeug seines Friedens zu machen, wäre hier zu erwähnen. (An dieser Stelle fallen mir zwei Begebenheiten ein: Eine MS-Patientin mit chronischem Verlauf, hatte ihren Mann verlassen, die Kinder mitgenommen und sich Arbeit gesucht. Ihre Symptome gingen weg! Als ich mit ihr sprach, kam mir vieles von Dahlke her bekannt vor, aber es waren nicht nur Worte, ich merkte, es ist ihre eigene innere Einsicht. Als ich die Diagnose bekam war einer meiner Gedanken "Das Ganze dient deiner Läuterung" - wobei ich damals wahrscheinlich nicht hätte erklären können, was ich damit genau meine.)
Aber nicht nur im körperlichen, sondern auch im seelischen Bereich ringen wir heute oft vergeblich mit den Energien des Aggressionsprinzips. Die enorm zunehmenden Depressionen sprechen davon. Außer den Allergien hat in den letzten beiden Jahrzehnten kaum ein Krankheitsbild so zugenommen. Dabei fehlt einerseits alle Mars-Energie wie sich an der lähmenden Antriebsschwäche zeigt, andererseits richtet sich in den Selbstmordgedanken plutonisch-aggressive Energie gegen das eigene Leben. Insofern ist hier wie beim Krebs vor allem wieder das Aggressionsprinzip im Spiel, wenn natürlich auch das Thema der mangelnden Auseinandersetzung mit der eigenen Sterblichkeit hinzukommt. Denn das Wälzen von Selbstmordgedanken ist ja immer auch eine, wenn auch denkbar unerlöste, Beschäftigung mit dem Tod.(Depression ist nach innen gerichtete Aggression)

Zusammengenommen zeigen diese Krankheitsbilder wie sehr es notwendig wäre, das Thema wieder auf erlöstere Ebenen zu heben. Ähnliches gilbt aber auch auf sozialen, wirtschaftlichen und politischen Ebenen. Es gibt durchaus einen Zusammenhang zwischen lahmender Wirtschaft und steigenden Allergie- und Depressionszahlen. Auf die Dauer werden wir es uns gar nicht leisten können, so wenige junge mutige Unternehmer hervorzubringen, die bereit sind, ihre Kraft in mutige Ideen und ebensolche Projekte zu investieren, um mit neuen Produkten neue Märkte zu erobern und dem Aggressionsprinzip auf dieser Ebene Geltung zu verschaffen. Politiker beklagen wohl, dass die Offensivkraft fehle und es nicht vorwärts gehe mit Deutschland, aber solange wir das Aggressionsprinzip so stiefmütterlich behandeln und seine Chancen vertun bzw. seine Energie in Krankheitsbilder stecken, wird es wohl nicht viel besser werden können.
Wer Symptome seiner Allergie mit schulmedizinischen Medikamenten unterdrückt, wird sie vielleicht mehr schlecht als recht los, aber er wird sich durch Kortison und vor allem Antihistaminika energetisch müde und überfordert fühlen. Macht er sich dagegen daran, den seelischen Hintergrund des Problems zu lösen, kann er die Symptome ebenso loswerden. Zusätzlich wird er all die Energie freisetzen, die bisher zur Symptomunterdrückung nötig war. So liegen in jedem Symptom und Krankheitsbild, aber auch in Problemen, die mit dem Aggressionsprinzip verbunden sind, wahre Schätze an Lebensenergie verborgen, die es lediglich zu erkennen und zu heben gilt.

Was bei Allergie und Rheuma helfen konnte

Da ist beispielsweise die Mutter, die mit ihrem Buben in die Beratung kommt. Wegen seiner Allergie soll er auf seine Zwerghasen verzichten, hat der behandelnde Internist, ein Allergologe, angeordnet. Der sehr in sich gekehrt wirkende Junge hat bei dieser Aussicht mehrmals heftig protestiert und sich dann in stille Verzweiflung geflüchtet. Die Mutter bringt es nicht übers Herz, ihm seine Hasen zu nehmen und sucht nun Alternativen.
Die Anamnese ergibt, dass der Bub sehr brav ist, sich im allgemeinen gut anpassen und fügen kann. Seine Allergie begann mit Heuschnupfen, hat aber nach einer Desensibilisierung nach kurzer Besserung eine unerfreuliche Ausweitung erfahren. Ein kleines Symptom ist ebenso interessant wie typisch: Der Junge hat enormen Schuhverbrauch, da er gegen jeden Randstein tritt. Zwischenzeitlich hatte er noch die dumme Angewohnheit, sehr oft auszuspucken, was ihm aber "ausgetrieben werden" konnte. Die unterdrückte Aggressionsthematik kommt in diesen beiden Nebensymptomen besonders deutlich heraus.
Als sein Schonungsprogramm umgestellt wird auf ein zunehmendes Abhärtungstraining, zu dem bald auch Fußballspielen kommt und er ein wenig aus der gut gemeinten, aber in seiner Situation kontraproduktiven Erziehung befreit wird, bessern sich erstmals seine Symptome. Die Hasen können definitiv bleiben. In dem Maße, wie er auch seine musikalischen Wünsche von der Kantele, einem anthroposophischen Saiteninstrument, sozusagen auf ärztlichen Rat auf eine Elektrogitarre verlegen kann, ergibt sich eine weitere Besserung.
Das Hauptproblem wird nun seine Mutter, die seinen offensiven und jungenhaften aggressiven Ambitionen ablehnend gegenübersteht. Selbst Allergikerin, lebt sie ihre vitalen Energien vor allem in der Verdrängung und lässt ihr Immunsystem stellvertretend kämpfen. Als der Vater mehr mit einbezogen werden kann und dem Jungen entsprechende sportliche Räume öffnet, wird die Allergie ein weiteres Stück zurückgedrängt. Entscheidend ist hier auch, dass dem Buben nun Mut gemacht wird, sich zu trauen, sein Leben zu leben und auch jungenhafte Wünsche auszudrücken und zu verwirklichen.

Auch ein Rheumafall sei hier abschließend erwähnt: Ein sportlicher Mann, Anfang 50, kommt, nachdem er mit der schulmedizinischen Behandlung seiner rheumatischen Beschwerden unzufrieden ist. Er ist dabei aber auch mir gegenüber kritisch, weil er in "Krankheit als Symbol" gelesen hat, dass ich davon ausgehe, dass Rheumatiker ein Problem mit ihrer Beweglichkeit haben. Er betont mehrfach, dass das bei ihm nicht in Frage komme, weil er Marathonläufer gewesen sei. Die Symptome seien erst kurz danach aufgetaucht.
Mit einigem Aufwand gelingt es ansatzweise, ihn davon zu überzeugen, dass sich die Deutung auf die geistige Beweglichkeit beziehe und Ausdauersport und besonders Marathonlauf kein Hinweis für entsprechende Beweglichkeit sei. Der Vergleich mit einer Tanzmaus in ihrem Rad irritiert ihn diesbezüglich besonders. Die Frage, vor wem oder was er bei seinen endlosen Läufen davongelaufen sei, löst heftige Emotionen aus, da er nie befriedigende partnerschaftliche Erfahrungen gemacht hat und sich auch beruflich nicht verwirklichen konnte.
Die Anamnese ergibt, dass er sich selbst gegenüber immer hart gewesen ist, auch und vor allem bei seinen endlosen Laufprogrammen. Der Deutung schließlich, dass er wahrscheinlich seine aggressiven Energien über das Laufen abgefackelt habe und seit er das nicht mehr tue, sie sich auf andere Weise gegen sich selbst richten, kann er zustimmen und nun auch in seinen rheumatischen Reaktionen die autoaggressiven Tendenzen erkennen.
Während der in einer Krankheitsbilder-Therapie Wege findet, seine vitalen Kräfte nach außen zu lenken, werden die rheumatischen Beschwerden - auch unter dem therapiebegleitenden Fasten - besser. Mit einer anschließenden Ernährungsumstellung wird ein weiterer Schritt zur Genesung gemacht. Die rheumatischen Beschwerden melden sich nach einem halben Jahr noch einmal schwächer zurück, worauf er noch einmal fastet. Seit Jahren lebt er nun viel offensiver, riskiert partnerschaftliche Erfahrungen und hat sein Rheuma im Griff. Er fastet weiterhin regelmäßig zweimal im Jahr, obwohl keinerlei Gelenksymptome mehr aufgetreten waren.

Auf politischer Ebene wäre ein Wandel in der Einstellung zur Aggression ebenso notwendig. Wenn wir weiterhin anstelle von mutigen Lösungen, die altbekannten aber gar nicht bewährten Strategien einsetzen, werden wir zum Beispiel auch den Kampf gegen den Terrorismus verlieren. Schon der Kampf mit immer mehr Antibiotika gegen immer mehr Erreger war nie zu gewinnen. Viel hilfreicher wäre die Stärkung des Terrains, die Verbesserung der Abwehrkraft der Menschen. Ähnlich könnten wir auch die innere Stabilität der Herkunftsländer des Terrorismus stärken. Es gäbe auch dafür genug Parallelen. Bekanntlich ist in einem Land wie der Schweiz mit breitem Mittelstand, guter Bildung und besten Berufschancen der Terrorismus kein Problem. Der letzte fragliche Terrorist dürfte wohl Wilhelm Tell gewesen sein, aber auch nur aus Sicht der herrschenden Habsburger.

Auch wenn solche Umdenkschritte schwer fallen werden, haben wir gar keine andere Wahl. Marsische Soldaten und seien es die allerbesten US-Buschkrieger haben keinerlei Chance gegen plutonische Terroristen, wie eigentlich Vietnam schon gezeigt hatte. Wenn ein Geschehen - gleichgültig ob Krieg oder Krebs - bereits in unerlöst plutonische Bereiche abgeglitten ist, helfen nur noch plutonische Lösungen im Sinne radikal mutiger Wandlungen und totaler Umkehr bis hin zur Selbstopferung.

Buch- und CD-Tipps:
"Aggression als Chance" Bertelsmann, ISBN 3-570-00620-4, €23,90
"Krankheit als Symbol" Bertelsmann, ISBN 3-570-12265-4, €25
"Allergien" CD, Goldmann, ISBN 3-442-33655-4, €17
"Krebs" CD, Goldmann, ISBN 3-442-33686-4, €17
"Hautprobleme" 2CDs, Goldmann, ISBN 3-442-33687-2

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