Qi Gong Erfahrungsberichte




Taiwan by Andrea Corinna

Nachfolgend ein Bericht von Zuzana Sebkova-Thaller. Zuzana macht vorwiegend Chan Mi Qi Gong - ein Wirbelsäulen Qi Gong. Sie unterrichtet zudem Kinder, Schwangere und MS-Patienten. Den theoretischen Teil über MS spare ich mir.

Das Innere Lächeln

mit freundlicher Genehmigung von Zuzana Sebkova

Ein Mensch, der lernt, aus der Tiefe seines Herzens zu lächeln, vermag eine Wende zu vollbringen. Das "Innere Lächeln" ist die schönste Fähigkeit, die wir haben. Dieses Lächeln zu pflegen, ist die höchste Aufgabe des Qi Gong. Es kommt aus der Tiefe des Herzens und ist Ausdruck der Liebe. Jedes Herz hat die Fähigkeit zu lächeln. Es hängt von uns ab, ob wir sie pflegen oder unterdrücken. Wenn wir ihm Achtung schenken, kann sich das Lächeln und damit die innere Wärme mit Hilfe des Atems in uns ausbreiten. Der ganze Körper fühlt sich bejaht, jede Zelle öffnet sich und strahlt. Dieses Strahlen ist positive Energie. Sie hat heilende Wirkung. Viele MS-Kranke und auch Gesunde haben völlig vergessen, sich zuzulächeln. "Ich bin ganz hart geworden. Ich habe mir nur einen Satz wiederholt: Nicht nachgeben! Jetzt sehe ich, daß man es lächelnd viel besser schaffen kann. Ich beginne, das Leben wieder zu geniessen!", erzählte eine MS-Patientin nach einem Qi Gong Kurs.

Sie können sofort erkennen, wer eine Woche täglich das Innere Lächeln gepflegt hat. Dem lächelnden Atem folgt die Entspannung, die den erhöhten Tonus mindert, was für den Patienten eine große Erleichterung ist. Die ganze Persönlichkeit entfaltet sich. Jede Zelle blüht auf.

Die Vorstellung führt die Aufmerksamkeit und der Übende bekommt allmählich ein Gefühl für seinen Körper. Es ist erstaunlich, wie selten dies anzutreffen ist! Langsam lernt er, sich mit allen Sinnen in die verschiedenen Körperteile zu versetzen, sie zu erfühlen und auch in längst ertaubte Glieder wieder einzutreten. Der nächste Schritt ist, die Mylinschicht und die Blut-Hirn-Schranke, die beide bei MS-Kranken defekt sind, in Gedanken nachzubauen und abzudichten. Die modernen westlichen Visualisierungsmethoden arbeiten alle mit Hilfe der Vorstellung. Ein Beispiel ist die Simonton-Methode, die u.a. in der Krebstherapie angewendet wird. Qi Gong baut auf einer langen Tradition auf und bietet mehr als nur Visualisierung und Entspannung. Es lehrt, mit Hilfe des Atems und langsamer Bewegungen, die u.U. auch nur in Gedanken ausgeführt werden können, Energie zu leiten und zu mehren. Vor allem aber lernt man, den Boden unter den Füßen wieder zu spüren, sich zu verwurzeln, die senkrechte Achse zwischen Himmel und Erde in seiner Wirbelsäule zu spüren und die eigene Mitte wiederzufinden. Die Wirbelsäulenbewegung aktiviert viel Energie und diese wird an den ganzen Körper verteilt. Außerdem verkörpert die Wirbelsäule auch die Lebenshaltung: eine elastische Wirbelsäule zeugt von einem beweglichen Geist. Die Vorstellung, daß die Wirbelsäule ein bewegter Bambusbaum im Wind ist, hält die Wirbelsäule im Schwung und bessert so entscheidend ihren Zustand.

(Zuzana machte früher dreiwöchige Intensivkurse in der Kiliani-Klinik, wo sie täglich mehrere Stunden mit den Patienten übte. Ihre Erfahrungen mit den Verbesserungen sind:)

Bereits nach einer Übungswoche kann man die Kursteilnehmer kaum erkennen, weil sich ihr Gesichtsausdruck verändert. Sie haben gelernt, nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen zu lächeln. Sie strahlen von innen heraus. Wer sich selbst anlächelt, der kann sich gut entspannen - dies wirkt sich positiv auf die Spastik aus. Darum merken viele bald Fortschritte beim Gehen. In der zweiten Übungswoche beginnen einige, das erste Gefühl in ihren "tauben" Gliedern zu spüren. Es können sich vorübergehend die Schmerzen verstärken. Ein im therapeutischen Qi Gong erfahrener Lehrer kennt aber genug ableitende Übungen, die in so einer Situation helfen. Verkrampfte Hände und Füße gewinnen allmählich an Beweglichkeit. Mit Hilfe von bestimmten Lauten und Atemtechniken kann man nach einiger Zeit die oft betroffene Blase und andere innere Organe erreichen. Durch die positiven Veränderungen gewinnt der Kranke Vertrauen in sich selbst und ist motiviert, den begonnen Weg fortzusetzen.

Nach einem dreiwöchigen Intensivkurs reicht die Bandbreite der Besserungen von teilweiser Wiedergewinnung der Sensibilität in den tauben Gliedern über "psychische Ausgewogenheit" bis zum "Abstellen der Gehhilfe". Ob dies von Dauer ist, hängt viel davon ab, ob die Patienten zuhause weiterüben. Während des Kurses lernen die Teilnehmer, sich selbst neu zu begegnen. Es handelt sich um keine Wunder, die mit fremder Hilfe geschehen, sondern um eine stete Besserung. Die Kranken werden auf diesem Weg nicht getragen, sie müssen ihn selber gehen! Ohne tägliches Üben geht es nicht. Am schwersten ist der erste Schritt: die Entscheidung, sich auf den Weg zu begeben. Aber auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Und dieser ist schon die erste Bestätigung. Mit jedem weiteren Schritt fällt der Weg leichter. Irgendwann geniessen sie ihn so, daß sie das Ziel vergessen! Das aber - der Genuß und die Freude am Gehen - ist die eigentliche Heilung!


Homepage von Zuzana Sebkova

Wesentlich häufiger als über MS höre ich jedoch im Zusammenhang mit Qi Gong von Krebsheilungen. Drei Patienten habe ich persönlich schon kennengelernt. Nachfolgend der Bericht einer weiteren ehemaligen Krebs-Patientin, die ich kurz bei einem Seminar mit Lama Fo Fu kennenlernen konnte.

Yu Li, die in China als Lehrerin gearbeitet hatte, begleitete Lama FoFu zu diesem Seminar und berichtete von ihrer Erfahrung. Sie hatte Eierstockkrebs im Spätstadium. Nach zwei großen Operationen bekam sie Chemotherapie, welche sie so schwach werden ließ, dass die abgebrochen werden mußte. Lama Fo Fu befand sich zum Unterrichten in Tianjin. Da Yu Li nicht an Qi Gong Therapie glaubte, meldete ihr Vater sie ohne ihr Wissen an und so nahm sie doch an dem Seminar teil. Als sie sah, wie Teilnehmer auf dem Boden lagen, mit sich selbst sprachen oder riefen, war sie sehr beunruhigt. Lama Fo Fu erklärte ihr, dass sich die Teilnehmer dadurch harmonisierten und dass sie keine Angst haben bräuchte und sich nicht irritieren lassen sollte. (Diese Dinge kenne ich selber von Seminaren bei Meister Chen, dem Meisterschüler von Meister Li aus Taiwan. Meister Li hat uns auch erklärt, dass sich durch diese Phänomene beim Üben die Energie regulieren würde.) Yu Li erzählte, dass sie durch die Übungen Kälte und Taubheit fühlte. Obwohl sie ja nicht sehr lange geübt hatte, merkte sie schon Wirkung: Ihr Appetit kam wieder, die Schmerzen verschwanden und der Gesamtzustand verbesserte sich. Dadurch begann sie dann doch, an das Wunder des Jin-Gang-Gong aus Tibet zu glauben. Sie machte weitere Seminare und so wurde ihr gesundheitlicher Zustand immer besser. Am Abschlußabend berichteten auch andere Teilnehmer und sie sagte, sie würde es nicht glauben, wäre sie nicht selbst dabei gewesen. Ein Teilnehmer mit Schlafstörungen verlor diese gleich nach dem ersten Tag. Bei einigen Teilnehmern hatten sich Tumore verringert, andere konnten besser sehen, andere bekamen ihre Rückenschmerzen los. Erstaunlich fand sie, dass einige Teilnehmer ihr Gewicht regulierten. (Hiervon weiß ich auch durch das Stille Qi Gong. Das Gewicht reguliert sich entsprechend, obwohl alle die gleichen Übungen machen. Manche nehmen ab, manche zu.) Ein Mann berichtete, dass er seine Ischiasschmerzen und die Arthritis verloren hätte. Yu Li übte weiter Qi Gong und bemerkte eines Tages, dass sie, wenn sie Metall berührte, einen elektrischen Schlag bekam. Später hatte sie das Gleiche, wenn sie Holz oder Menschen berührte. Lama FoFu führte mehrere Qi Gong Kurse in dieser Gegend durch und es gab über 1000 Teilnehmer, von denen der Großteil erhebliche gesundheitliche Fortschritte machte. Nebenwirkungen hatten diese Übungen nicht. Yu Li begleitete Lama FoFu über ein Jahr lang und lernte weiter Qi Gong Übungen. Auf der Reise sah sie viele unglaubliche Dinge, wie z.B. eine Dame, die 12 Jahre lang gelähmt war und nach kurzer Zeit schon 200 Schritte laufen konnte. Ein Mädchen, welches künstlich ernährt werden mußte wegen einer Muskelschwäche konnte nach dem Kurs wieder essen. Ein Mann verlor durch das Üben seine Nierensteine. Die weißen Haare einer Teilnehmerin wurden wieder schwarz (Von diesem Phänomen hat uns Meister Li auch schon berichtet.) Bei einem Mann, der seit zwei Jahren starke HWS-Probleme hatte, verschwanden die Schmerzen. Soweit der Bericht von Yu Li. Auf dem Seminar sah man ihr keine Krankheit mehr an, kann ich nur sagen. Und ich glaube auch ihre Berichte, denn auch Meister Li erzählt manches Mal solche Dinge bzw. Fallbeispiele aus seiner eigenen Erfahrung. Qi Gong ist eine tolle Sache :)

Einen weiteren Bericht hatte ich gelesen über eine Patientin mit Morbus Hodgkin. Nach einer Chemotherapie waren die Knoten verkleinert bzw. verschwunden und danach erhielt sie noch Bestrahlungstherapie. Auch sie war danach, wie Yu Lu, körperlich geschwächt und hatte Probleme im Hals und natürlich auch psychische Probleme, die wir wohl alle kennen - Verarbeitung der Diagnose und Angst vor Neuerkrankung. In der Reha lernte sie Tai Chi und Qi Gong kennen, welches sie zuhause weiterführte in der VHS. In den Nachuntersuchungen wurden keine Knoten mehr festgestellt und sie war ruhiger, ausgeglichener geworden und hatte mehr Lebensfreude.

Die Dame, welchen den nachfolgenden Bericht verfaßt hat, habe ich immer wieder einmal bei Seminaren von Meister Li oder Zuzana Sebkova getroffen. Sie heisst Margot Müller und ist auf der Seite von Xu Ming Tang zu finden.

Qigong und Krebs: Ein Erfahrungsbericht

Mehr als fünf Jahre ist das jetzt her, dass ich mit Qigong intensiv angefangen habe. Fünf Jahre sind eine lange Zeit für jemand, der Krebs hatte. Da gibt es Statistiken über die Fünfjahres-Überlebensraten nach malignen Tumorerkrankungen. Ich habe die fünf Jahre geschafft und fühle mich wieder ziemlich gesund. Also, ich hatte Krebs, an der Zunge, hatte einen guten Chirurgen, der es schaffte, mir meine Zunge so zu operieren, dass sie hinterher nicht gelähmt war und dass ich heute wieder sprechen kann. Danach kam eine Radio-Chemotherapie, also einmal Chemo morgens und dann zweimal am Tag Bestrahlung. Das Ganze dauerte sechs Wochen lang, mit einer Pause von zwei Wochen dazwischen, damit sich die Schleimhäute nicht vollständig ablösten. Keine Geschmacksempfindung mehr, nur noch Schmerzen... Als das vorbei war, fuhr ich erst mal in Urlaub ans Meer, dann zur Nachsorge in eine onkologische Klinik. Dort, in der Habichtswaldklinik in Kassel, hörte ich dann einen Vortrag von Qiduan Li über Guolin Qigong. Ich hatte früher schon mal so ein bisschen mit Qigong angefangen. Aber jetzt kam etwas ganz anderes! Zum ersten Mal in der ganzen Zeit meiner Krankheit spürte ich, dass ich hier endlich selbst etwas tun konnte und von meiner Rolle als Patientin, als leidender und stets behandlungsbedürftiger Mensch wegkam. Keine Frage, ich belegte das Wochenendseminar. Diese Chance wollte ich mir nicht entgehen lassen! Ich lernte das Windatmen, die Vorbereitungsübungen und das Qigong-Gehen - im ersten Kurs erst mal nur eine Form. Es war eh' schwierig genug, die Füße richtig zu setzen, gleichzeitig die Arme zu bewegen "wie Wasser fließt", den Kopf zur Seite zu wenden, mal nach rechts, wenn man mit dem linken Fuß begann, mal nach links, wenn der rechte Fuß zuerst dran war. Und dann noch die richtige Atmung! Dass diese Art des Atmens tatsächlich das Atemvolumen erhöht, merkte ich schon bald. Nicht bei den Übungen selbst, da fällt es nicht auf, weil man ja sehr langsam geht. Nein, ich spürte das bei meinen Spaziergängen bergauf. Die Kasseler Wilhelmshöhe - praktisch der Hausberg der Klinik - konnte ich bald ohne Anstrengung und Atemnot recht schnell hinaufgehen. Und es tat mir unendlich gut, soviel Zeit nur für mich zu haben. Natürlich war das Üben anfangs anstrengend, auch dann immer wieder, wenn ich eine neue Übung lernte. Aber Qiduan Li hatte uns eingeschärft, zwei bis drei Stunden am Tag im Freien unsere Gehübungen zu machen, und ich tat das gerne! Mir wurde immer klarer dabei, wie sehr ich mich früher durch meinen Zeitplan unter Druck gesetzt hatte. Jetzt nahm ich mir Zeit für mich und wurde immer zufriedener dabei. Natürlich war das in der Klinik einfacher als zuhause, wo man ja für andere Dinge auch noch verantwortlich ist. Aber für mich war es immer eine Frage der Priorität. Ich wollte schließlich gesund werden. Etliche aus unserem Kurs sind nicht dabeigeblieben. Der Anspruch, mehrere Stunden am Tag zu üben, war für die einen eine Zumutung, für andere zu schwer zu organisieren. Ich habe damals viele Gespräche geführt, um ihnen klarzumachen, dass es ihrer Familie oder ihrem Chef nicht viel helfen würde, wenn sie zwar jetzt mehr Zeit für sie hätten, aber letztendlich nicht gesund werden würden. Da sind manchmal radikale Schnitte nötig! Es geht beim Krebs immer um Leben oder Tod. Aber nicht für alle ist das gleiche gut. Ich jedenfalls bin froh, mich damals für diesen intensiven, zeitaufwendigen Genesungsweg entschieden zu haben. Ich habe aber, auch das muss gesagt sein, nie auf Qigong alleine gesetzt, sondern mir im alternativmedizinischen und therapeutischen Bereich viel Hilfe geholt. Und seit ich mit Qigong (zunächst nur Guolin Qigong) angefangen habe, spüre ich, wie sehr es mich körperlich und seelisch aufbaut - immer wieder und immer mehr und in immer neue Dimensionen hinein. Der Rest ist schnell erzählt. Ich habe von Qiduan Li sechs Schrittfolgen des Guolin Qigong gelernt, in vielen Seminaren, dazu die Stimmeinsatzübung und etliche kleine Übungen für zwischendurch. Später kamen andere Formen des Qigong dazu, viele stille Formen, die ich von Zhi Chang Li in München lernte, dann machte ich die Ausbildung in medizinischem Qigong. Und immer wieder Kurse und Workshops bei verschiedenen Lehrern und Meistern. Man wird ja neugierig und will sehen, was die anderen so machen. Für mich habe ich heute ein kleines Repertoire von Lieblingsübungen, die ich je nach Lust und Laune mache. Es sind Atemübungen dabei und spontane Übungen, immer mehr stille Formen, Ableitungs-, Sammlungs- und Kultivierungsübungen. Am dringlichsten ist mir der "große Baum" empfohlen worden, von einem anderen chinesischen Meister, Xu Ming Tang, dem ich sehr viel zu verdanken habe. Er hat mich einen Monat lang fast täglich behandelt, weil trotz allen Übens der Qi-Strom im Brustraum nicht richtig fließen wollte. Seitdem ist mir klar, dass wir durch unsere Qigong-Praxis zwar sehr weit kommen können, dass es aber doch Zeiten und Situationen gibt, wo wir Hilfe von anderen brauchen, sei es von Lehrern, die uns den richtigen Weg weisen, sei es von Heilern, die notwendige Reparaturen in unserem Energie-Haushalt vornehmen können. Ganz zu schweigen von der spirituellen Dimension, in der wir uns mit den richtigen Helfern auch leichter bewegen lernen. Mein Weg wird in diese Richtung weitergehen. Ich will die Möglichkeiten des Qigong ganz ausloten. Inzwischen lasse ich mir aber wieder viel Zeit für anderes - manchmal auch, weil mir die Fortschritte zu schnell gegangen sind. Mein analytischer Geist oder die Trägheit des Körpers können mit den Qigong-Erfahrungen der "Oberstufe" oft noch nicht Schritt halten. Aber ich bin auf dem Weg...

Nachfolgend Links von Lehrern, deren Workshops ich im Rahmen der Deutschen Qi Gong Tage besucht habe.

Wang Li GUO LIN QI GONG

Xu Ming Tang, Kanada China Rußland

Zhou Yi, Tübingen

Guolin-Qigong - Mit Windatmung gegen Krebs


mit freundlicher Genehmigung der Autorin, mit der ich telefoniert habe

Erwischt hat mich die Diagnose Brustkrebs 1993, ein halbes Jahr vor meinem 47. Geburtstag. Gefühlt hatte ich den Knoten bereits über Jahre, aber der Radiologe beruhigte mich bei jeder Mammographie. Später sprach mein Operateur von einem "Fiasko der Mammographie". Das Desaster war vollkommen: Neben dem von mir ertasteten Knoten in der Größe von 2,3 cm hatten sich schon zwei weitere in der Größe von 0,5 cm gebildet. Der Arzt empfahl die Amputation. Obwohl die herausoperierten Lymphknoten nicht befallen waren, sprach er sich zudem für eine chemotherapeutische Nachbehandlung aus - natürlich unter Hinweis darauf, dass das Risiko von Metastasen auf diese Weise verringert würde...

Die trügerische Hoffnung hielt zunächst bis 1997. Da trat das erste Lokalrezidiv an der Tumornarbe auf, 1998 das zweite. Dann entschloß ich mich zur Bestrahlung. Im Dezember 1999 dann der GAU: Knochenmetastasen!

Schulmedizinisch wurde standardmäßig eine Knocheninfusion (Aredia) begonnen, dazu eine Antiöstrogen-Therapie mit Tamoxifen, da mein Primärtumor hormonabhängig war. Ein halbes Jahr später hatte sich mein Zustand verschlechtert. Da erfuhr ich zufällig von Frau Qi-duan Li in Berlin, Schulmedizinerin und Ärztin für TCM. Sie hatte ihre eigene Krebserkrankung mit Qi Gong geheilt, und ich hörte von mehreren Fällen, bei denen diese Methode ebenfalls erfolgreich war.

Mit entsprechend großer Hoffnung fuhr ich zu ihr. Das Beratungsgespräch markierte den Wendepunkt. Frau Li stellte ungewöhnliche Fragen wie z. B. "Lieben Sie sich?". Die für die Westler ungewöhnliche Sichtweise der TCM wurde mir zum ersten Mal vermittelt: Ich sei diejenige, die letztlich Verantwortung trüge für meine Erkrankung, beispielsweise durch falsche Ernährung, Streß etc. Deshalb könne auch nicht sie mich heilen, sondern das könne nur ich allein. Natürlich war ich erst empört. Aber das Legte sich beim Lesen einschlägiger TCM-Lektüre, denn ich begriff: Während die Schulmedizin an den Symptomen herumkuriert, schaut sich die TCM die Grüne für den Zusammenbruch des Immunsystems an. Warum sind Yin und Yang in Disharmonie geraten? Und ich verstand, warum Millionen Chinesen mit Qi-Gong-Übungen "Lebenspflege" betreiben: um Krankheiten vorzubeugen.

In der Alltagsmühle des Westens dagegen verschwenden wir kaum einen Gedanken daran, was an unserer Lebensweise krankmachend sein könnte: z. B. die Entfernung von der Natur, die permanente Fremdbestimmung. Im Fall der Krankheit hat man dann ja die Ärzte und die teure Krankenversicherung - beide sind angeblich bereit, Verantwortung zu übernehmen und zu reparieren...

Diese "Reparatur-Werkstatt-Mentalität" gegenüber der konventionellen Medizin kritisiert Heidelberger Biometriker Ulrich Abel, ein profunder Kritiker der Chemotherapie.

Im Juni 2000 entschied ich mich, die Verantwortung für meine Genesung weitestgehend in meine eigenen Hände zu nehmen. Ich lernte bei Frau Qi-duan Li die Qi-Gong-Übungen, die sie ihrerseits von der Erfinderin dieser Krebstherapie mit Erfolg gelernt hatte: Frau Guo Lin, eine bekannte chinesische Malerin war während der Kulturrevolution nach sechs schulmedizinischen Operationen wegen metastasierendem Gebärmutterkrebs als unheilbar aufgegeben worden. Da sie aus der Familientradition mit Qi Gong vertraut war, entwickelte sie neue Übungen, mit denen sie sich heilen konnte. Sie überlebte weitere 38 Jahre.

Lange war sie daran gehindert worden, ihre erfolgreiche Methode an andere Patienten weiterzugeben. Mehrfach wurde sie von der Polizei vorübergehend festgenommen. Frau Qi-duan Li schreibt darüber in der Zeitschrift "Krebsforum": "Die Tätigkeit von Frau Guo Lin wurde als Verbreitung von Aberglauben verleumdet und ihre Gruppe während der Übungen in öffentlichen Parks von der Polizei vertrieben. Die Gruppe mußte ihren Übungsplatz sehr oft wechseln, und bei jeder Übung wurden Wachen aufgestellt, um vor anrückenden Polizeitruppen zu warnen."

Nach ihrem Tod änderte sich die Haltung der Behörden schlagartig. Nun wurden diese Anti-Krebs-Übungen als "Guolin-Qigong" voll anerkannt, weil die krebskranken Schüler und Schülerinnen von Frau Guo Lin sehr erfolgreich im Kampf gegen ihre Krankheit waren. Heute gehen sehr viele Patienten gleich nach der OP zu den Qi-Gong-Kursen, die auch von den Kliniken angeboten werde.

In Berlin lernten wir Krebskranken von Frau Qi-duan Li, wie wir mit der besonderen Geh- und Atemtechnik Sauerstoff in unser Blut- bzw. Kapillarsystem pumpen können. Denn es wird davon ausgegangen, daß der Sauerstoffmangel Hauptursache der Erkrankung ist. Entartete Zellen fühlen sich in einem sauerstoffarmen Milieu besonders wohl - beispielsweise bei Übersäuerung. Ein saures Milieu, entstanden durch Fehlernährung (zuviel tierisches Fett und Eiweiß bzw. Zucker) und zu wenig Sauerstoff-Zufuhr, ist ein ideales "Biotop" für die Krebszellen.

Die spezifischen Guolin-Qi-Gong-Übungen gegen Krebs beinhalten, täglich zwei Stunden an der frischen Luft mit geschlossenem Mund zweimal kurz ein- und einmal lang auszuatmen. Begleitet wird der Vorgang von einer speziellen Gehtechnik. Die Übungen gibt es in verschiedenen Varianten, u. a. mit Stimm- bzw. Stabeinsatz, abhängig von der Art der Krebserkrankung. Am besten geeignet ist eine Landschaft mit energie- und im Sommer schattenspendenden Bäumen. Ich habe das Glück, einen wunderschönen Park vor meiner Haustür zu haben. Hier habe ich eine Ahnung davon bekommen, wie sehr Mikro- und Makrokosmos miteinander verwoben sind. Daniel Reid schreibt darüber in seinem Buch "Chi-Gung - Nutzen Sie die Kraft des Universums": "Die Harmonie vom Himmel und Menschheit erreicht man, indem man den Mikrokosmos des menschlichen Energiesystems auf die makrokosmischen Energiefelder des Ökosystems, des Sonnensystems, der Sternensysteme usw. abstimmt. Auf diese Weise wird ein Zustand dynamischer Polarität aufrechterhalten, der alle Körperfunktionen in perfektem Gleichgewicht bewahrt. Wenn man diesen Zustand durch tägliches Üben stabilisiert, können die Ungleichgewichte, die physische Krankheiten hervorrufen, nicht auftreten."

Bei mir war ein erhebliches Ungleichgewicht entstanden. Der Ausdruck dafür: Krebs. Zwei Stunden täglicher Übung bei jedem Wetter schienen mir zwar gewöhnungsbedürftig, aber ich sah dazu keine Alternative. Ich war entschlossen, die Kraftfelder anzuzapfen, von denen Frau Li erzählt hatte, obwohl mir diese Gedankenwelt sehr fremd war.

Während des Kurses bereitete Frau Li uns Patienten darauf vor, daß in der dritten Woche nach Beginn der Übungen eine Art Erstverschlimmerung (vergleichbar mit einer homöopathischen Behandlung) eintreten kann. Außerdem könnten sich alte Narben melden und es könnte Fieber auftreten. Diese Reaktionen seien ein Zeichen dafür, dass die Übungen anschlügen. Genau das trat bei mir ein. Zusätzlich fühlte ich ein starkes Kribbeln an den besonders von Metastasen befallenen Stellen der Lendenwirbelsäule. Ich bemerkte mit jedem Monat, daß die Knochenschmerzen nachliessen. Und als nach sieben Monaten die neue Kontrolluntersuchung mithilfe der Kernspintomographie stattfand, staunte der Radiologe: Er fand nur noch "Reste von Metastasen"! Dieser Befund war die Bestätigung für mein Gefühl, daß ich auf dem besten Wege war, gesund zu werden. Ich war so fest davon überzeugt, daß ich dem Radiologen prophezeite, er werde bei der nächsten Untersuchung keine Metastasen mehr finden können. Inzwischen hatte ich große Klarheit bekommen über die Kraft der Selbstheilung. Auch zu wissen, daß mein geschädigtes Lymphsystem (durch die Herausnahme von 22 Lymphknoten) mithilfe der Übungen wieder den Gifttransport leisten kann, beflügelte mich. Daniel Reid schreibt: "Die langsamen rhythmischen Dehnungsbewegungen der Gliedmaßen und des Rumpfes, die man bei den Bewegungsübungen des Qi Gong ausführt, regen den Fluß der Lymphe im ganzen Körper an. Da die Lymphe die Reinigung des Blutes und der Zwischenzellflüssigkeit unterstützt, fördern Qi-Gong-Übungen die Entgiftung des gesamten Körpers bis hin zu den einzelnen Zellen. Außerdem stimuliert die Qi-Gong-Atmung die Bewegung der Körperflüssigkeiten, indem sie die Bauchorgane massiert. Wenn das Zwerchfell sich beim Einatmen senkt, drückt es Blut, Gallensaft und andere stagnierende Flüssigkeiten aus der Leber und anderen Organen heraus. Und wenn der Druck bei der Ausatmung nachläßt, weil das Zwerchfell sich wieder hebt, strömt frisches Blut in die Organe und füllt sie wieder mit Sauerstoff und Nährstoffen."

Die schulmedizinische Knochenaufbau-Infusion war nach dem guten Untersuchungsergebnis überflüssig geworden, und weitere fünf Monate später waren die Metastasen vollständig verschwunden! Trotzdem führe ich die Übungen weiter durch, denn sonst wäre das Rückfall-Risiko zu gross. Im übrigen habe ich vor einigen Monaten auch das Anti-Östrogen abgesetzt.

Dass sich der Sauerstoff-Gehalt im Blut mit diesen Qi-Gong-Übungen um ein Vielfachen steigern lässt, bezweifeln selbst Mediziner, die sich auch mit biologischer Krebsabwehr beschäftigen. Jedoch ergab bei mir nach 15 Monaten Übungen ein Sauerstoff-Test vor den zweistündigen Übungen einen Wert entsprechend dem Alter einer 35jährigen und nach den Übungen einen Wert, der dem Alter einer 28jährigen entspricht (ich bin 55 Jahre alt).

Daniel Reid berichtet in seinem Buch von einer groß angelegten Untersuchung in China, die beweist, daß schon 30 Minuten Qi Gong zu einem signifikanten Anstieg von roten Blutkörperchen führt, was die Fähigkeit des Blutes verstärkt, Sauerstoff zu transportieren und an die Zellen abzugeben und die Immunreaktion verbessert.

Die Heilungserfolge für das Heer der Krebskranken in China mithilfe des Guolin-Qigong sind offenbar erstaunlich gross: Nach einer Studie des Guolin-Forschungszentrums in Peking soll der Einsatz der Übungen eine Erfolgsrate von 74 % haben. Michael Lerner, Autor des Buches "Wege der Heilung", schildert ebenfalls die erfolgreichen Guolin-Übungen aufgrund dort zitierter US-chinesischer Untersuchungen sowie die rasche Erholung bei Patienten von allen Nebenwirkungen bei Chemo- und Strahlentherapie. Lerner zieht schließlich folgendes Fazit: "Nach meiner Einschätzung ist die TCM eine der faszinierendsten Zusatztherapien für Krebs. Es gibt bemerkenswerte Anhaltspunkte für die These, dass sie Schmerzen lindert und die Nebenwirkungen von Chemo- und Strahlentherapie abschwächt. Es gibt auch Anlaß zu der Annahme, daß die TCM zur Verlängerung der Lebensdauer bei Krebspatienten und zur Verringerung ihres Rückfallrisikos beitragen könnte."

Auch Caryle Hirshberg und Marc Ian Barasch schildern in ihrem Buch "Unerwartete Genesung" die positiven Wirkungen von Guolin-Qigong.

Daniel Reid resümiert in seinem Buch "Eigentlich ist hier nicht die Frage, ob Qi Gong als Heilmittel gegen Krebs und andere angeblich unheilbare Krankheiten wirkt, sondern es geht eher darum, ob die westliche Schulmedizin bereit ist, eine Behandlungsform in Erwägung zu ziehen, die teure Medikamente und Kliniken quasi überflüssig macht. Die Therapie löst nicht nur Tumore auf, sondern stärkt das Immunsystem wieder, harmonisiert das Blut, versorgt den ganzen Körper mit Sauerstoff, normalisiert alle lebenswichtigen Funktionen und erhöht die Vitalität."

Die entscheidende Frage an die Schulmedizin lautet also: Ist sie bereit, endlich die Tatsache zu berücksichtigen, daß Krebs den totalen Zusammenbruch des Immunsystems bedeutet und deshalb genau dort angesetzt werden müsste?

Sehr verdienstvoll setzen sich Kurt Langbein und Bert Ehgartner in ihrem Buch "Das Medizin-Kartell - Die sieben Todsünden der Gesundheitsindustrie" mit dieser Frage in dem Kapitel "Die Geringschätzung des Immunsystems" auseinander. Sie kritisieren, dass die "Anmaßung der Medizin, mit ihren einfachen Rezepten effektiver sein zu wollen als das Abwehrsystem des menschlichen Körpers, mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dramatischen Entwicklungen wie dem sprunghaften Anstieg von Allergien und Autoimmunerkrankungen beigetragen hat. Die zweite Anmaßung der Medizin, evidente Zusammenhänge zwischen Psyche und Immunsystem über Jahrzehnte zu negieren, nur weil ihr das Instrumentarium dazu fehlte, diese Zusammenhänge untersuchen zu können, hat auf der anderen Seite dazu beigetragen, daß viele effektive Behandlungschancen bei schweren Krankheiten nicht genützt wurden. Stattdessen hat das Medizinkartell sein Kriegskonzept gegen Krankheitserreger und kranke Zellen durchgesetzt, ohne diesen Krieg jemals gewinnen zu können." Die neue Forschungsrichtung Psychoneuroimmunologie, so die Autoren weiter, habe eindeutig belegt, daß sämtliche seelischen Prozesse sich unmittelbar oder mittelbar auf das Immunsystem auswirken. Und damit zumindest darüber mitentscheiden, wann Krankheiten auftreten und wie groß die Heilungschancen sind. Daß dieser nun auch naturwissenschaftlich belegte Umstand in äußerst geringem Umfang in der medizinischen Denk- und Arbeitswelt berücksichtigt würde, sei eine von vielen Todsünden des Medizinkartells.

Unabhängig von der Einsicht in die Notwendigkeit der Vorbeugung gegen einen Rückfall, brauche ich inzsichen für mein Wohlgefühl die Bewegungen im Park, das Erleben der Jahreszeiten, die Schönheit der Natur. Ich gewinne enorme Klarheit im Denken, bin außerordentlich dankbar für die Kräfter der Natur, ja des Kosmos, genieße jeden Tag und hoffe, vielen Patientinnen und Patienten einen Weg jenseits der Schulmedizin aufzeigen zu können.

Ich habe mit der Autorin des Artikels im Dezember 2002 telefoniert. Sie hat mir bestätigt, dass es ihr gesundheitlich weiterhin sehr gut geht.

Taijiquan & Qigong Journal

Ähnliche Geschichten hatte ich vor Jahren schon in einem englischen Buch über Qi Gong gelesen "Qi Gong - Miracle Healing from China". Es ist von einem Arzt und einer Qi Gong Meisterin, die in San Francisco praktiziert. Sie heißt Effie Poy Yew Chow. Eine MS-Patientin aus Neuseeland, mit der ich e-mail-Kontakt hatte, ist im Zuge ihrer Hochzeitsreise bei Effie Chow gewesen - es gibt sie also wirklich...

"Innere Bilder - Qigong und MS" Tiandiren Journal 1/2003

mit freundlicher Genehmigung von Andrea Schille

Andrea Schille, eine junge, von MS betroffene Frau, hat einen Artikel über ihre Erfahrungen mit Qigong geschrieben. Wir kennen uns seit 2 Jahren, ich selbst arbeite ganzheitlich als Physiotherapeutin in Berlin. Geübt wird bei den wöchentlichen Terminen Chan Mi Qigong und je nach aktuellem Bedürfnis integrieren wir Shiatsu, spielerische Körperwahrnehmungsübungen und Meridian-Dehnungen. Als Therapeutin erlebe ich diese Stunden sehr intensiv und im Laufe von nun zwei Jahren entstand so auf diesem Weg auch eine persönliche Begleitung und ein Austausch.

Eine Intensität, speziell während der Chan Mi Qigong-Übungen, spüre und "sehe" ich manchmal als leuchtendes Licht, das die Form von Andreas Beinen hat. Andrea erscheint mir in diesem Zustand oft größer, mal ist das Licht gleichmäßiger im Körperschema verteilt und manchmal ist konzentrierte Dichte.

Neben den äußerlich sichtbaren und seubjektiv verbesserten Empfindungen (mehr Standfestigkeit, besseres Gleichgewicht etc.) gibt es meiner Meinung nach Qi-spezifische Wirkweisen, die ich nicht so leicht in Sprache fassen kann. Umso klarer hat Andrea Schille in ihrem Artikel diese Erfahrungen beschrieben und somit deutlich gemacht, wie wichtig Reflexion, Austausch und Kommunikation sind.

Mit herzlichem Dank an Andrea, Chris Saleski, unsere Chan Mi Übungsgruppe und meine Lehrerinnen. - Gise Schöller, Berlin -

Als ich meine Krankheit das erste Mal sah, saß sie zusammengekauert wie ein Tier im mittleren Bereich meiner Brustwirbelsäule und griff mich an, um meinen Blick abzuwehren. Sie war schwarz und glänzend, angriffslustig und darauf bedacht, ihren Platz zu verteidigen. Ich schreckte aus meiner Qigong-Übung auf und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Es gab etwas in meinem Körper, das hier nicht hingehörte. Etwas Fremdes, Bedrohliches. Etwas, was mich angreift und mir schadet. Etwas, das in mir lebt. Ein Parasit? Meine Krankheit? Ich habe MS. Neben allen Symptomen, die ich in den letzten drei Jahren spürte, hatte ich nunmehr das erste Mal die Krankheit selbst entdeckt.

Die Krankheit begann bei mir über Nacht und aus heiterem Himmel. So empfand ich es zumindest damals. Ich schlief gesund ein und erwachte am nächsten Tag mit einer tauben und kribbelnden linken Hand. Mit dieser Hand schlief ich ein und erwachte am nächsten Morgen mit einem tauben und kribbelndem Arm. Die Geschichte setzte sich fort, bis der gesamte linke Oberkörper die Symptome aufwies, die nach einigen Tagen genauso gingen, wie sie gekommen waren - über Nacht.

Nach zwei Jahren wurde die MS diagnostiziert. Nach den ersten Tagen voller Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit beschloss ich, mein Leben umzukrempeln. Ich sammelte Informationen über diese unheilbare Krankheit, die mein Leben verändert hatte und mich nunmehr begleiten würde. Ich stellte meine Ernährung um. Ich suchte nach Literatur, die positive Dinge zu MS zu sagen hat (das war sehr schwierig) - aber sie existiert (Barbara Zaruba´s und Christine Wagener-Thiele´s Bücher werden genannt). Ich freundete mich mit meinem Medikament an, besuchte regelmäßig die Physiotherapie und bastelte mit dem Beistand von Menschen, die mich lieben, an einer neuen Definition von "Zukunft".

Die Krankengymastik eröffnete mir den Weg, mich auf meinen Körper zu besinnen, auf das Gefühl in meinen Beinen zu achten, meine Haltung zu prüfen, die Koordination zu verbessern. Selbst die Frage, wie es mir geht, lernte ich, mir häufiger zu stellen und wesentlich bewusster zu beantworten als früher. Es fiel mir leichter mit den Symptomen umzugehen. Störungen des Gleichgewichts, der Feinmotorik, die Schwäche der Gliedmaßen und das Zittern der Beine brachten mich nicht mehr so leicht ins Wanken und Grübeln.

Ich tauchte ein in meine Seele, die ich vorher nie so recht bemerkt hatte, im nachhinein bin ich sicher, dass sie mir im Vorfeld der Krankheit oft genug Signale der Warnung gesandt hatte, die ich ignorierte. Ich schien sie einfach nicht zu hören, bis es zu spät war. Mein Körper antwortete mit einem Defekt des Immunsystems, der sich als MS auswirkt.

Nach diesen Erfahrungen zweifelte ich stark daran, dass meine Krankheit wirklich über Nacht gekommen war und sich über Nacht verändert hatte. Vielmehr lag der Verdacht auf der Hand, dass ich tagsüber neben allen Geschäftigkeiten und Pflichten des Alltags zu wenig Sensibilität auf meinen eigenen Körper richtete. Die Erkenntnis, in den letzten Jahren zu wenig auf mich selbst geachtet zu haben, um die Probleme anderer zu lösen oder ihre Sympathie oder Achtung zu gewinnen oder mein Gewissen zu beruhigen, da ich mich für etwas verantwortlich fühlte, wofür ich definitiv nicht zuständig war, rückte mehr und mehr in mein Bewusstsein.

Ich erkannte, dass mein größtes Manko der Umgang mit Stress ist. Die Unfähigkeit, ein Problem über Nacht beiseite zu schieben, abzuschalten und dem Kopf ein bißchen Ruhe zu gönnen, die akribische Suche nach Antworten auf unwichtige Fragen. Das alles führte regelmäßig zu neuen Schüben. Ich reagierte überaus empfindlich auf externe Einflüsse. Familiäre Unstimmigkeiten, Auseinandersetzungen mit Freunden, Prüfungssituationen und dienstliche Probleme brachten mich spielend leicht aus dem Gleichgewicht - und das innerhalb weniger Minuten. Für die Regeneration hingegen brauchte ich Tage, Wochen und Monate.

Auf Empfehlung meiner Physiotherapeutin begann ich mit Chan Mi Qigong, das mir eine weitere Tür in eine unbekannte Welt öffnete. Ich erlernte es schnell und konnte während des Studiums sehr intensiv üben. Es war für mich eine wunderbare Entdeckungsreise durch das Innere meines Körpers. Keine Reise war einer anderen gleich. Jeder Ausflug war einzigartig. Manchmal spürte ich in meinem Körper Wärme, manchmal Bewegung oder ein helles Licht. Manchmal fühlte ich einen Raum, der wachsen oder sich schließen konnte. Manchmal entdeckte ich die einzelnen Wirbel meiner Wirbelsäule. Und manchmal wuchsen daraus in meiner Vorstellung Blüten oder die Wirbel wurden mit einem schönen Band umbunden, das sich wie Balsam auf ihnen verteilte und heilte.

Der Tag an dem ich meine Krankheit - diese schwarze, sich bewegende Masse - entdeckte, erschreckte mich zutiefst. Nach kurzer Bedenkzeit fasste ich Mut. Es kam mir so vor, als ob die dunkle Masse kein Bestandteil meines Körpers wäre, wie bspw. meine Wirbel, die ich gesehen hatte oder das Innere meines Bauchraumes. Sie kam mir vor wie ein Fremdkörper, ein Eindringling, der lebt und in meinem Körper wohnt - genau wie ich. Die Krankheit ist mein Feind, mein Kompagnon, mein Untermieter. Ich hatte sie entdeckt und konnte sie damit kontrollieren, mit ihr Frieden schliessen, sie in die Schranken weisen oder vielleicht sogar bekämpfen.

Bei einer Qigong-Übung an einem der darauffolgenden Tage näherte sich mein innerer Blick vorsichtig der Stelle, an der ich meine Krankheit entdeckt hatte und ertastete erneut die schwarze Masse. Ich sammelte Mut und Kraft, um ihrem Angfiff standzuhalten und meinen Blick nicht abzuwenden - und ich hatte Erfolg. Die Gegenwehr ließ nach. Mir war so euphorisch zumute, wie Politiker es sein müssen, wenn sie im Kriegszustand einen Termin zur friedlichen Koexistenz vereinbaren konnten. Ich war auch auf der Suche nach Frieden, nach innerem Frieden.

Es gelang mir innerhalb von drei Monaten, die schwarze Masse zurückzudrängen. Sie verkleinerte sich. Sie war auf dem Rückzug - ohne Gegenangriff.

Im Laufe der Zeit entdeckte ich andere schwarze Stellen im Gehirn. Sie wechselten den Platz, sie änderten ihre Größe und Konsistenz. Aber jedes Mal, wenn ich sie sah, hatte ich das Gefühl, dass sie leben. Um sie zu beschwichtigen und zu bekämpfen, atmete ich ganz bewusst und konzentriert an diese Stellen. Ich schickte mein Lächeln dorthin, meine Wärme und beruhigende Gedanken. Ich ließ in ihrer Nähe Blumen wachsen oder Licht entstehen, um der Schwärze Kraft und Bedeutung zu nehmen. Manchmal hatte ich damit viel Erfolg. Manchmal weniger, in den seltensten Fällen gar keinen.

Die schwarzen Stellen, die ich in meinem Gehirn sah, bestätigten sich übrigens im nachhinein als weiße Läsionen in den MRT-Aufnahmen. Dies war für mich der Beweis, dass meine Vorstellungskraft und die inneren Bilder, die ich sah, keine blinden Einbildungen und Spinnereien waren. Es stand wesentlich mehr dahinter. Sie waren sozusagen wissenschaftlich belegt.

Meistens habe ich die Fähigkeit, meine Krankheit sehen zu können, genossen. Meistens fühlte ich mich ihr gegenüber stark kund hatte ihr etwas entgegenzusetzen. Doch gab es auch Tage, an denen ich spürte und sah, dass es mir schlechter ging und ich keinen Weg und keine Kraft fand, gegen die Krankheit vorzugehen, was ich als äußerst beängstigend empfand.

Aber auch diese Situationen verloren mit der Zeit ihre Bedrohlichkeit. Das Gleichgewicht kehrte zurück und ich gewann wieder die Oberhand. Ich hatte und habe nicht vor, mich einschüchtern zu lassen.

Meine neue Definition von "Zukunft" ist deutlich mehr auf den Augenblick ausgerichtet. Ich möchte mein Leben genießen, hier und jetzt und in der nächsten Woche (soweit zu meiner Zukunft). Ich möchte weiterhin arbeiten gehen. Ich brauche unbedingt meine guten Freunde. Und ich möchte meine Qigong-Erfahrungen und -Übungen nicht missen.

Die Krankheit ist nicht spurlos an mir vorübergegangen. Sie hat ihre Narben hinterlassen. Viele sind nicht spürbar, andere schon. Vielleicht kann ich durch Qigong gesund werden. Was aber wahrscheinlicher und näher liegt, ist, die friedliche Koexistenz zwischen meiner Krankheit und mir zu erhalten und das "seelisch-körperlich-geistige" Gleichgewicht zu schaffen, das ich brauche, um mich wohl zu fühlen.

Andrea Schille, Berlin


in Elke´s Garten

Qi Gong und MS Artikel aus dem "Blickpunkt" 3/04 des MSK

Was ist Qi Gong?
Qi Gong ist eine Jahrtausende alte Kunst aus China, die Lebensenergie Qi (sprich: tschi) zu kultivieren. Kultivieren bedeutet, durch fortgesetzte Hege und Pflege die bestmögliche körperliche, geistige und seelische Entwicklung des Menschen zu fördern. Mit den Qi Gong Übungen zur Lebenspflege werden der Atem, der Geist und die Vorstellungskraft, der Körper und die Abwehrkräfte des Menschen gestärkt. Aus Qi Gong ist die Klassische Chinesische Medizin mit Akupunktur, Kräuterheilkunde, Diätethik, Tuina-Massage und Feng Shui hervorgegangen. Qi Gong ist eine klassische Selbsthilfemethode, ohne schädliche Nebenwirkungen natürliche Heilungsprozesse in Gang zu bringen. Qi Gong kann aber nicht gezielt gegen eine spezifische Krankheit eingesetzt werden. Es hat stets umfassende Wirkungen auf die Gesundheit und das Bewusstsein des Menschen. Qi Gong wirkt auf den Menschen in seiner Ganzheit.

Zitat: "Die Wirkungen von Qi Gong"
Inzwischen liegen eine Fülle abgesicherter Erkenntnisse über die Wirkungen von Qi Gong vor: es stärkt die Leistungsfähigkeit des Herzens; harmonisiert den Blutdruck; führt zu weniger "schlechtem Cholesterin" und zu mehr "guten Cholesterin". Es stärkt das Kreislaufsystem und führt zu einer verbesserten Peripher- und Mikrozirkulation, verhindert Gefäßkrämpfe, beseitigt Störungen der Blutversorgung in Händen und Füßen, wirkt bei Angina pectoris und Migräne. Es harmonisiert die Verdauung, massiert die inneren Organe, verbessert die Peristaltik, die Mikroflora des Darmes und hat positive Wirkungen bei Geschwüren und bei Verstopfung. Es verbessert die Durchblutung des Gehirns, führt beim Üben zu langsamen Gehirnwellen mit großer Amplitude, ist hilfreich bei Lähmungen und Anfallsleiden. Es stärkt die geistige Gesundheit durch die Abnahme von Stressempfindlichkeit, Angstzuständen, Zwangsneurosen, Depression sowie die Gedächtnisleistung, Konzentrationsfähigkeit und zwischenmenschliche Sensibilität. Es wirkt auf das Atmungssystem und führt zu niedriger Atemfrequenz, verbessert so den Gasaustausch, wirkt positiv auf Asthma und Bronchitis. Es stärkt das Immunsystem, vermehrt die aktiven Immunzellen, verbessert die Immunreaktion gegen Antigene und hat einen wirkungsvollen Anti-Krebs-Effekt. Es regeneriert und stärkt den Bewegungsapparat, verbessert Kraftleistung, Beweglichkeit, Knochendichte und ist nützlich bei Arthritis und Osteoporose. Es beeinflusst die Lebenserwartung und Lebensqualität, verbessert Blutdruck, Vitalität, Cholesterin- und Hormonspiegel, Nierenfunktion, Hirnleistung, Sehkraft und Gehör, Hautelastizität, Knochendichte und Immunfunktion. Es steigert die Körperkraft und die Libido und deaktiviert schädliche freie Radikale. (zitiert aus: Kenneth Cohen "Qi Gong - Grundlagen, Methoden, Anwendung)

Der Begriff Qi
bezeichnet die geistige, körperlich-physiologische und seelische Energie, die alle für das Leben notwendigen Vorgänge steuert und eine optimale Entwicklung aufrechterhalten will. Dies geschieht durch eine ungestörte Versorgung aller Teile mit ausreichend frischer Energie. Geschieht dies, dann sind wir in der optimalen Spannung - quicklebendig wie ein Baby: wir fühlen uns wohl und sprühen vor Lebenslust und Tatendrang. Wir sind ausgeglichen, sind weich und beweglich und doch stark, nehmen uns vollständig an und sind offen und mitfühlend. Nichts kann uns etwas anhaben. Der Energiefluss kann aber gestört werden durch Fehlhaltungen, Verletzungen, Verspannungen, durch Hektik und Stress und durch vorherrschende negative Gefühle und Denkgewohnheiten wie Angst, Grübeln, Zorn, Wut, Neid und Hass. Fließt die Qi Energie nicht mehr ausreichend, dann fühlen wir uns unwohl, die Lebensfreude und Unternehmungslust schwinden und wir werden anfällig für Krankheiten aller Art.

Der Begriff Gong
(sprich: gung) bezeichnet die Zeit und das "Herzblut", unseren stetigen Einsatz, den wir für das Üben und Kultivieren des Qi einbringen. Gong Fu (Kung Fu) bedeutet die Meisterschaft, die man durch das Üben erreicht hat. Man freundet sich mit der Übung an, um sie irgendwann zu meistern. Man sieht, das Üben ist ein Schlüssel zum Gelingen des Qi Gong und zum erzielen der positiven gesundheitlichen Wirkungen. Das tägliche Üben entspricht der Einnahme eines stark wirkenden Medikamentes ohne Nebenwirkungen.

Qi Gong und die Kraft des "Inneren Lächelns"
"Mit dem Herzen lächeln" ist die einzige Voraussetzung, dass aus einer Übung wirklich Qi Gong werden kann. Ohne dieses Lächeln bleibt man auf der Ebene der Gymnastik. Das innere Lächeln führt weg vom tierischen Ernst, weg von der Zweckgebundenheit, weg vom Leistungsstreben und Wettkampfgeist des Alltagslebens. Das innere Lächeln kennzeichnet die Art und Weise wie wir uns selbst gegenübertreten und wie wir üben. Es ist der Schlüssel, mit dem wir in den Raum des Qi Gong Zustandes der tiefen Entspannung eintreten können. (siehe dazu das Buch meines Lehrers: Zhi Chang Li "Mit dem Herzen lächeln")

"Die Stille ist der Meister des Lärms"
Dies haben die frühen taoistischen Gelehrten in der Selbstvergessenheit der Meditation erkannt. Als Lärm wird auch die Unruhe in Organen und Körperregionen angesehen, die sich in Bluthochdruck, Entzündungsprozessen u.a. ausdrücken kann. Deshalb beginnt jede Qi Gong Übung damit, alle Sinne, das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und das Denken mit Hilfe von Atemübungen und geistigen Übungen zur Ruhe kommen zu lassen. Wir lassen in der Übung das Alltagsbewusstsein mit den Sorgen und Befürchtungen immer mehr in den Hintergrund treten.

Der Qi-Zustand
In der immer tiefer sich ausbreitenden, wohltuenden Stille gelangt man in den Qi-Zustand, in welchem man von allen äußeren Reizen und Störungen unbeeindruckt zu bleiben versucht und alle Wahrnehmung nach Innen richtet. Es geschieht ein Ausdehnen und Weiterwerden. Alles wird etwas verschwommen und nebelig. Wir sind nicht mehr im klaren Alltagsbewusstsein. Das Qi beginnt stärker zu fließen und Energieungleichgewichte auszugleichen. In diesem Qi-Zustand lenken wir das Qi - nur noch mit einem Gedanken. Qi Gong wird zu einem starken Medikament, das während der Übungsphase tiefgreifende Regenerationsvorgänge in Bewegung bringt. Dies gelingt nicht durch angestrengtes, zielstrebiges Tun, sondern durch Loslassen, durch Nichts tun. (siehe auch das Buch meines Lehrers: Zhi Chang Li "Setz dich hin und tue nichts")

"Der Geist ist der Meister des Qi"
bedeutet, dass wir mit unserem Geist, d.h. unseren Gedanken, Gefühlen und unserer Vorstellungskraft das Qi lenken und beeinflussen können. Herz und Verstand kommen im Geist zusammen, der die "Regierungsmacht" besitzt und alle körperlichen und geistig-seelischen Vorgänge über die Nervenfasern des vegetativen Systems, über Botenstoffe und zelluläre Regulationen beeinflussen kann.

"Das Qi ist der Meister des Blutes"
bedeutet, wo das Qi hinfließt, dorthin strömt auch vermehrt Blut. Die Qi- und Sauerstoffversorgung werden verbessert, Giftstoffe wieder vollständig abtransportiert. Beim Üben mit der Vorstellungskraft lenken wir das Qi mit allen unseren Sinnen z.b. in das "untere Energiezentrum" in der Mitte des Unterbauches. Indem sich die Aufmerksamkeit dort sammelt, werden alle Areale im Gehirn und die Nervenbahnen über das Rückenmark, die mit dieser Region im Unterbauch verknüpft sind, aktiviert und so u.a. das Ausschütten von "Glückshormonen" bewirkt. Qi Gong bewirkt eine Wiederbelebung von Gehirnarealen, wodurch in Rückenmark, Organen, Knochen, Muskeln und Gefäßen u. a. Veränderungen bewirkt werden können. Qi Gong lehrt mit Hilfe des Atems, in völliger Ruhe im Stehen, Sitzen oder Liegen oder mit sanften, langsam fließenden Bewegungen, die auch nur in Gedanken ausgeführt werden können, Energie zu leiten und zu mehren. Es lehrt, sich tief zu verwurzeln, die senkrechte Achse zwischen Himmel und Erde in seiner Wirbelsäule zu spüren und die eigene Mitte wiederzufinden. Dies alles kann aber nur durch beharrliches, lächelndes Üben (Gong!) erreicht werden. Alles, was man im Qi Gong lernt, kann man überall ohne Hilfsmittel im alltäglichen Leben anwenden und großen Nutzen daraus ziehen.

Zitat: "Die Bedeutung der Vorstellung für den Heilungsweg"
Die Vorstellung führt die Aufmerksamkeit und der Übende bekommt allmählich ein Gefühl für seinen Körper. Es ist erstaunlich, wie selten dies anzutreffen ist! Langsam lernt er, sich mit allen Sinnen in die verschiedenen Körperteile zu versetzen, sie zu erfühlen und auch in längst ertaubte Glieder wieder einzutreten. Zuzana Sebkova-Thaller machte in ihren Kursen über mehrere Wochen mit täglichem intensiven Üben in der Kiliani-Klinik mit MS-Patienten folgende Erfahrungen: Bereits nach einer Übungswoche kann man die Kursteilnehmer kaum erkennen, weil sich ihr Gesichtsausdruck verändert. Sie haben gelernt, nicht nur nach außen, sondern vor allem nach innen zu lächeln. Sie strahlen von innen heraus. Wer sich selbst anlächelt, der kann sich gut entspannen - dies wirkt sich positiv auf die Spastik aus. Darum merken viele bald Fortschritte beim Gehen. In der zweiten Übungswoche beginnen einige, das erste Gefühl in ihren "tauben" Gliedern zu spüren. Es können sich vorübergehend die Schmerzen verstärken. Ein im therapeutischen Qi Gong erfahrener Lehrer kennt aber genug ableitende Übungen, die in so einer Situation helfen. Verkrampfte Hände und Füße gewinnen allmählich an Beweglichkeit. Mit Hilfe von bestimmten Lauten und Atemtechniken kann man nach einiger Zeit die oft betroffene Blase und andere innere Organe erreichen. Durch die positiven Veränderungen gewinnt der Kranke Vertrauen in sich selbst und ist motiviert, den begonnenen Weg fortzusetzen.

Welche Ergebnisse kann ein MS-Kranker erreichen?
Nach einem dreiwöchigen Intensivkurs reicht die Bandbreite der Besserungen von teilweiser Wiedergewinnung der Sensibilität in den tauben Gliedern über "psychische Ausgewogenheit" bis zum "Abstellen der Gehhilfe". Ob dies von Dauer ist, hängt viel davon ab, ob die Patienten zuhause weiterüben. Während des Kurses lernen die Teilnehmer, sich neu zu begegnen. Es handelt sich um keine Wunder, die mit fremder Hilfe geschehen, sondern um eine stete Besserung. Die Kranken werden auf diesem Weg nicht getragen, sie müssen ihn selber gehen! Ohne tägliches Üben geht es nicht. Am schwersten ist der erste Schritt: die Entscheidung, sich auf den Weg zu begeben. Aber auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt. Und dieser ist schon die erste Bestätigung. Mit jedem weiteren Schritt fällt der Weg leichter. Irgendwann genießen sie den Weg der Übung so, dass sie das Ziel vergessen! Das aber - der Genuss und die Freude beim Üben - ist die eigentliche Ursache des Regenerations-, Harmonisierungs- und Heilungsprozesses. ... Viele MS-Kranke aber auch Gesunde haben völlig verlernt, zu lächeln. "Ich bin ganz hart geworden. Ich habe mir nur einen Satz wiederholt: Nicht nachgeben! Das Leben als Wettkampf aber ist hart und verzehrt unsere Kräfte. Jetzt sehe ich, dass man es lächelnd viel besser schaffen kann. Ich beginne, das Leben wieder zu genießen!" erzählte eine MS-Patientin nach dem Qi Gong Kurs. Ein Mensch, der lernt, aus der Tiefe seines Herzens zu lächeln, vermag eine Wende zu vollbringen. Das "Innere Lächeln" ist die schönste Fähigkeit, die wir haben. Es kommt aus der Tiefe des Herzens und ist Ausdruck der Liebe. Jedes Herz hat die Fähigkeit zu lächeln. Es hängt von uns ab, ob wir sie pflegen oder unterdrücken. Wenn wir ihm Achtung schenken, kann sich das Lächeln und damit die innere Wärme mit Hilfe des Atems in uns ausbreiten. Der ganze Körper fühlt sich bejaht, jede Zelle öffnet sich und strahlt. Dieses Strahlen ist eine positive Energie, die heilende Wirkung hat. Sie können sofort erkennen, wer eine Woche täglich das Innere Lächeln gepflegt hat. Dem lächelndem Atem folgt die Entspannung, die den erhöhten Muskeltonus vermindert und für den Patienten eine große Erleichterung ist. (zitiert aus dem Internet: www.ivonne-radtke.de)

Dieser Artikel wurde geschrieben von Helmut Ganser, einem Mitschüler von mir bei Meister Li. Die Homepage des MSK e.v., in dessen Zeitschrift der Artikel erschien ist: MSK
Helmut Ganser bei Heidelberg

Geschichte von Renate

Renate, über 70 Jahre alt, ist eine Qi Gong Mitschülerin von mir. Anlässlich unseres jährlichen Übungsseminares mit Meister Li über Pfingsten in Bonn 2009, erzählte sie mir ihre Geschichte über Polyarthrose und Tai Chi.

Die Symptome der Polyarthrose zogen sich über 10 Jahre im erträglichen Bereich, aber stetig, dahin. Dann folgten jedoch fünf Jahre mit schweren Symptomen wie verkrümmten Händen, sehr eingeschränkter Bewegung, Schmerzen in allen Gelenken. Im Alter von 60 Jahren wurde es somit für Renate unerträglich. Ein anderes Problem bestand darin, dass sie ca. 2x jährlich einen "Hexenschuß" bekam, der sie komplett bewegungsunfähig machte. Sie bekam die Telefonnummer von dem mittlerweile leider verstorbenen Siung Tjoa, welcher das Tai Chi der 18 Übungen unterrichtete. Sie rief ihn an, um zu fragen, ob bei der Krankheit Chancen zur Besserung bestünden und ob sie nicht schon zu alt dafür wäre. Siung Tjoa bejahte ersteres und verneinte zweiteres und schon ging es los mit den Übungen. Nach zwei Übungsstunden konnte sich Renate besser bewegen. Nach vier Monaten täglichen mehrstündigen Übens waren die Schmerzen weg und die Finger konnten wieder gestreckt werden. Bis heute übt sie weiter und hat keine Probleme mehr damit. Die Rückenproblematik kam nach zwei Jahren noch einmal, aber nach zwei Tagen des intensiven Übens war es wieder in Ordnung. Vor zwei Jahren kam es noch einmal ansatzweise, aber mittels Bewegungstherapie und Üben konnte sie auch dies wieder in Ordnung bringen. Beiläufig hat sie durch das Üben auch noch eine Allergie gegen Zitrusfrüchte verloren. Dieses Jahr wird Renate noch 75 Jahre alt, was man ihr sowieso nicht ansieht, wie ich finde (sicherlich auch eine Sache der positiven Lebenseinstellung und des Humors) und Dank stetigen Übens der Tai Chi Übungen und des Stillen Qi Gongs geht es ihr gesundheitlich sehr gut.

englischer Bericht über MS und den Ansatz der Chinesischen Medizin Homepage von Dietlind Zimmermann

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