Sonja Wierk

Zu Beginn möchte ich sagen, daß ich Sonja Wierk bei einem Seminar, das sie für die DMSG Bayern abhielt, kennengelernt habe. Sie hatte Fotos dabei von der Zeit in der sie zunächst bettlägerig war mit allem was die MS an Symptomen zu bieten hat und später im Rollstuhl, angebunden. Sie ist jetzt Mitte 70 und wenn man sie sieht, meint man nicht, daß sie so schwer krank war oder ist.

Sonja Wierk ist seit mehr als 30 Jahren an MS erkrankt und hat sich aus eigener Kraft mit Hilfe einer von ihr selbst entwickelten Methode (die ihre Wurzeln und Denkansätze in der Feldenkrais Methode hat) aus dieser Krankheit befreit. Ausgehend von einem damaligen Feldenkrais-Seminar fing sie an, das Geheimnis ihrer Krankheit zu erahnen.

Obwohl zu dem Zeitpunkt völlig bewegungsunfähig, erlebte sie das Wunderbare einer ansatzweisen Bewegung, nämlich wie es ist, wenn sie ihre Hand gedanklich anspricht und dann Bezug zu einem Glas aufnimmt und den Weg dorthin sich genau vorstellt und mit den Gedanken begleitet. Die Bestimmung "Greifen und Festhalten" verstärkt diese Handlung.

Sonja Wierk erkannte, daß, bevor ihr Körper überhaupt in der Lage ist, eine Handlung, eine Bewegung auszuführen, er angesprochen werden will und mit klaren Gedanken und Vorstellungen begleitet werden möchte. Der Bezug, die Verbindung zum eigenen Körper, der ihr ja offenbar völlig verlorengegangen war, mußte erst einmal wiederhergestellt werden.

Zunächst war es wichtig, mit dem eigenen Körper wieder ins Gespräch zu kommen, ihm Liebe und Beachtung zu schenken. Einer ihrer Kernsätze lautet daher: "Gedankenkraft gibt Nervenkraft und Nervenkraft gibt Muskelkraft." Fasziniert von diesen ganz kleinen Anfangserfolgen, baute Sonja Wierk diese Methode immer mehr aus. Sie vervollkommnete die Methode nach ihren Bedürfnissen und der speziellen Krankheitssituation, die nur sie kenne konnte, da Mosche Feldenkrais ja nicht von einem gelähmten Zustand ausging.

Nachfolgend einige Stichworte von Sonja Wierk:

Werden Sie sich Ihres lebendigen Körpers voll bewußt!

Körper gedanklich ordnen und Vergleich der Körpersymmetrien

Körper in Bezug zur Umgebung bewußt aufnehmen

Gleichgewicht

Verstärkung mittels Visualisieren z. B. des Schultermuskels

Neuprogrammierung von Bewegungsfunktionen mittels Visualisieren

Verstärkung durch Berühren der zu behandelnden Körperteile

Verstärkung mittels Selbsthypnose, wie im autogenem Training

Was einmal geht, geht öfter, was öfter geht, geht immer!

Kontakt:

Schule für Geist und Körper e.V.

Sonja Wierk

Jakob-Kaiser-Str. 49

27578 Bremerhaven

Tel. 0471-60134

Homepage SOWI-Therapie

"Dem Leben wiedergegeben" von Barbara Zaruba und Sonja Wierk

mit freundlicher Genehmigung von Barbara Zaruba und ihrem Verlag

Sonja Wierk und Barbara Zaruba, München, 5.8.2003

Im Anschluß an das Buch "Diagnose MS" von Barbara Zaruba, habe ich nun das über die SOWI-Therapie gelesen. Auch hier möchte ich sagen, dass man sich am besten das Buch kauft. Ich zitiere nur einige, eventuell aus dem Zusammenhang genommene, Stellen.

Aus dem Inhaltsverzeichnis: Grund zur Hoffnung?, Grund zur Hoffnung!, Gute Nachrichten aus der Medizin, Gute Nachrichten aus der Entwicklungspsychologie, Seelische Schmerzen machen uns krank, Grundlegendes zur SoWi-Therapie, Die Körperschule wird zur Lebensschule, Wegweiser durch die SoWi-Therapie, Krankheitsbilder und Therapiekonzept (auch Schlaganfall und Parkinson), Dokumente einer Heilung: Briefe an und von Sonja, Ein Seminartag, Die SoWi-Therapie in Stichworten

S. 18 "Die Ausgangslage war wirklich nicht viel versprechend": ... Bettlägerig und völlig gelähmt, mit allen Ausfällen, die ihre Erkrankung mit sich brachte, das war Sonja noch 1985. 60 Jahre war sie mittlerweile geworden und seit 25 Jahren immer unausweichlicher den Schüben der MS ausgeliefert. Ihre Arme und Beine waren gelähmt, das Sprechen fiel ihr schwer, schlucken war fast nicht möglich, hören und sehen konnte sie nur noch wenig, ihr Leben war trostlos geworden, an die Zukunft wagte sie schon gar nicht zu denken. ... Das schmerzliche Fazit der vergangenen 25 Lebensjahre war: Das Leben war nur noch eine einzige Anstrengung, alles kostete Sonja unendlich viel Kraft, und im Vergleich zu ihrem großen Einsatz war das Ergebnis meist ernüchternd. Es gab für Sonja keinen Anlass mehr zu Optimismus. Unheilbar, keine Aussicht auf Besserung, so die Schulmedizin - schlechte Aussichten für die früher doch so lebensfrohe und tatkräftige Ehefrau und Großmutter. Sonja standen zwar einige erleichternde Mittel zur Verfügung wie Rollstuhl und Spezialbrille, die halfen allerdings durch die ständige Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes im Laufe der Zeit immer weniger. So war sie nach jahrelangen Kämpfen mit ihrem Körper am Ende doch im Rollstuhl gelandet, konnte diesen aber aus eigener Kraft überhaupt nicht mehr bewegen. ...Die Krankheit schien Sonja wirklich alles zu nehmen, aber sie ertrug es in demütiger Haltung, denn jedes Aufbegehren verschlimmerte ihren Zustand.

Im Winter 1985 hatte eine MS-Gruppe, der Sonja schon seit etlichen Jahren angehörte, eine Veranstaltung im 60 km entfernten Bremen angekündigt. Das Thema lautete: Bewusstheit durch Bewegung nach Moshe Feldenkrais. ...

... Sie wollte unbedingt dabei sein, auch wenn es in Bremerhaven kalt und ungemütlich war und sie von ähnlichen früheren Aktionen wusste, wie viel kraft sie ihre Teilnahme bereits im Vorfeld kosten würde. Und genauso war es dann auch. Ihr sich sperrender Körper, auf den sie selbst keinen Einfluss mehr nehmen konnte, wurde warm verpackt und unter Mühen in den Rollstuhl gesetzt. Mit einem Auto wurde sie zum Veranstaltungsort gebracht. Drei Personen mussten sie hineintragen, sie war inzwischen völlig ermattet und lag, während andere begannen, die Vorgaben der Seminarleiterin umzusetzen, völlig bewegungsunfähig auf einer Matte, gepeinigt von unzähligen schmerzhaften Spastiken im ganzen Körper. ... Im Verlauf des Seminars gelang ihr dann plötzlich etwas Verblüffendes: Auf einmal konnte sie ihre ansonsten gelähmten Arme ein wenig bewegen. Ihre verkrampften und durch Spastik verdrehten Hände führten überraschende Bewegungen aus. ...

S. 40 "Feindbild Körper": ...Daran, dass man als Erkrankter kein großes Aufhebens von seiner Krankheit macht, mag bereits eine ganz persönliche seelische Struktur mitbeteiligt sein: Es fällt schwer, sich darüber mitzuteilen, wie verunsichert, ja verzweifelt man ist, wie schlecht man sich fühlt. Man begreift es ja selbst nicht, was da körperlich in einem vorgeht. Und die ersten Ausfälle sind immer nur eine subjektive Katastrophe, objektiv ist wirklich noch nicht viel passiert. Lassen Sie sich "stören", wenn Sie die Diagnose MS soeben erst bekommen haben! Es ist etwas ganz Schlimmes geschehen, spielen Sie es nicht herunter, lassen Sie nicht zu, wenn es jemand bagatellisieren möchte. Nur Sie selbst können spüren, wie viel da in Unordnung geraten ist. Nur Sie selbst können das Rad zurückdrehen, jetzt ist es noch besonders leicht möglich; beginnen Sie sofort damit, dann ist der Rückweg noch nicht so weit.

(An dieser Stelle fällt mir ein, dass ich wahrscheinlich gleich nach der Diagnose etwas wichtiges, wenn auch unbewusst, getan habe: Ich habe mich sofort mitgeteilt. Ich habe zum ersten Mal vor anderen geheult und dem ganzen Elend verbal Ausdruck verliehen. Einmal stand ich vor einer Freundin, nachdem ich ihr entgegengegangen war, hölzern und ferngesteuert - total fertig, in Tränen aufgelöst und meinte "Schau mich mal an - wie komme ich denn daher, was soll denn aus mir werden?! Viele MS-Patienten stehen nicht zur Diagnose, verheimlichen es. Was für ein Stress und was für ein Zeichen, was innerlich ablaufen muss! Viele haben zu mir gesagt, ich solle nicht immer darüber nachdenken und reden, ich solle mal aufhören, zu weinen. Ich fasse es nicht!! Da habe ich endlich mal etwas getan, was ich noch nie getan habe und dann solche Reaktionen. Rückwirkend denke ich allerdings, die kamen wahrscheinlich deshalb, weil sie auch nicht wussten wie sie damit jetzt umgehen sollen - weder mit der Diagnose, noch mit einer Kranken und noch mit mir im Speziellen mit der noch nie dagewesenden Offenheit.)

S. 44: ... Schon lange vor der endgültigen Diagnosestellung beginnt der Kampf gegen den Körper, gegen sich selbst. Man braucht ein wenig länger für vieles, man geht nicht mehr so gerne weitere Strecken zu Fuß. Alles das kann man aber zunächst noch verbergen durch eine kleine Notlüge, durch mehr Engagement, mehr Einsatz und weniger Ruhe. So als wäre nichts passiert, führt man sein Leben weiter. Dann spürt man irgendwann, dass ein Bein nicht mehr so will wie früher, aber der Zustand ist noch weit davon entfernt, einem anderen aufzufallen. Man geht - im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinn - weiter, als wäre nichts. Diese Beschönigung der eigenen Befindlichkeit bleibt einem seltsamerweise auf Dauer erhalten, die Aussage: "Ich kann nicht mehr" kommt spät von einem Menschen mit MS.

Im Kasten: Bitte machen Sie sich immer wieder klar: Sie dürfen sich zunächst ruhig einmal von Ihrer Erkrankung "stören" lassen. Es ist etwas Gravierendes passiert, das Sie zur Kenntnis nehmen müssen, aber glauben Sie nicht, was man Ihnen von "unheilbar und nie wieder herstellbar" erzählt. Dann geraten Sie nicht in den Kleinkrieg, den Erkrankte häufig gegen den eigenen Körper führen.

S. 63 "Werden Sie kreativ - visualisieren Sie": Stellen Sie sich so oft wie möglich Ihren Erfolg, Ihre Fortschritte und das Erreichen von großen und kleinen Zielen vor. Träumerisch in solche Empfindungen einzusteigen hat den unschätzbaren Vorteil, dass Sie dabei vermutlich entspannt, locker und zuversichtlich sein können. Und wenn Sie sich eine gesunde Zukunft erträumen wollen, dann gestalten Sie diesen Tagtraum in den fröhlichsten Farben, und haben Sie keine Bedenken, dass Sie dadurch wirklich zu einem Traumtänzer werden könnten. Sich eine schöne, ausgefüllte und glückliche Zukunft zu erträumen, ist die beste und entspannendste Investition für Ihr künftiges Leben. Jede Sekunde Wohlgefühl, jede Sekunde Glück hat eine positive und heilende Wirkung auf Ihren Körper und Ihr Immunsystem, und darauf kommt es an!

S. 78 "Akzeptieren Sie, was ist": Nehmen Sie Ihre Wirklichkeit wahr, auch wenn Sie diese Realität am liebsten leugnen würden - dies ist der nächste wichtige Schritt auf Ihrem Weg zur Gesundung. Auch dass es Ihnen unendlich schwer fällt, den momentanen Zustand zu akzeptieren, sollten Sie sich eingestehen. Hierzu ein einfaches Beispiel: Wenn Ihnen jemand einen roten Punkt auf die Nase malt, dann können Sie den zwar auch leugnen, doch wegwischen werden Sie ihn erst dann können, wenn Sie die Tatsache akzeptieren, dass da ein roter Punkt auf Ihrer Nase leuchtet. Was bereits da ist, kann man nur annehmen. Es zu akzeptieren ist der wichtigste Schritt auf Ihrem Weg zur Änderung der Realität. Und anschließend können Sie beginnen, diese Realität mit liebevoller Zuwendung zu Ihrem Körper in eine andere zu verwandeln.

S. 96: Ein aufgeschlossener Schulmediziner, Neurologe und Oberarzt an einer Klinik, der die SoWi-Therapie mit großem Interesse begleitet und sie im klinischen Bereich fest installiert sehen will, sagt: "Neuverknüpfungen zwischen Hirnzellen sind bei jedem motorischen Lernvorgang obligatorisch - auch beim Gesunden. Immer müssen Neuverknüpfungen von Nervennetzen hergestellt weren, um Neues zu erlernen." Beispielsweise müsse ein Klavierschüler sich sein Übungsstück zunächst langsam und bewusst erarbeiten. Durch das wiederholte Üben entständen die Nervenverknüpfungen, die später eine Automatisierung ermöglichten. Ein Klaviervirtuose denkt nicht mehr an seinen Fingersatz. Für einen Menschen mit zerebralen Störungen gilt: "Je mehr neue Verknüpfungen hergestellt werden müssen, je umfangreicher also der Schaden im zentralen Nervensystem ist, desto bewusster muss die Bewegung stattfinden." Weiter folgert dieser Arzt sinngemäß: Je mehr vorgefertigte Nervenwerke noch intakt sind, um eine bestimmte Bewegung auszuführen, desto unbewusster und automatisierter kann eine Aufgabe erledigt werden.

Ein weiterer Aspekt aus der Hirnforschung untermauert ebenfalls die SoWi-Therapie: Es ist selbst mit neuesten Messgeräten nicht festzustellen, ob eine Bewegung tatsächlich ausgeführt wurde oder nur in der Vorstellung stattfand.

S. 167 im Kasten: "Jeder Gedanke, den wir denken, ist eine Wirklichkeit. Jeder Gedanke baut etwas von unserer Zukunft auf oder reißt etwas von ihr nieder. Woran denken Sie jetzt in diesem Moment? Ruht Ihr Gedanke auf Dunklem oder auf Hellem? Ist er Hass oder ist er Liebe? Bedeutet er Zuneigung zu anderen oder Widerwillen gegen sie? Man könnte genauso fragen: "Was machen Sie aus Ihrer Zukunft?" Der Mensch ist das Ergebnis dessen, was er gedacht hat." - Prentice Mulford -

S. 236 bei den Briefen: Brief an Sonja von einer Seminarteilnehmerin, die selbst mit MS-Kranken arbeitet. ... Nicht der Arzt, die Pille, das neue Medikament wird helfen (oder nur in akuter Situation), sondern zunächst muss der Mensch mit sich selbst zu der Erkenntnis kommen, dass keiner von außen helfen kann, wenn er nicht selbst an sich arbeitet. Dieses Umdenken ist gerade bei MS-Patienten außerordentlich schwer. Häufig ist die Krankheit ja der Ausweg aus einer Lebenssituation, mit der der MS-Betroffene einfach nicht fertig geworden ist, nun die Krankheit braucht, um sein Leben neu zu ordnen. In einer "Reparaturgesellschaft" ist dieses Umdenken neu und sehr anspruchsvoll.

S. 251 "Die SoWi-Therapie in Stichworten":

Nichts erzwingen wollen, spielerisch bleiben.

Sich zur Ruhe kommen lassen.

Sich Zeit nehmen, um sich körperlich und mit seinen Emotionen zu spüren.

Körperhaltung und Berührungsflächen mit der Umgebung wahrnehmen.

Atembewegung wahrnehmen (nicht kontrollieren oder verändern - Gefahr der Hyperventilation)

Ich-Punkt (über der Brustmitte, Thymusdrüse) berühren und sich ansprechen ("Mein Name ist...") - und fühlen, was sich verändert.

Orientierung im Raum und am Körper - was ist oben, unten, vorne, hinten...

Benennen und Andenken aller Körperteile zunächst auf derselben Körperseite (rechte Hand, rechter Unterarm...), dann auf beiden Seiten (rechte Schulter, linke Schulter...)

Sich immer wieder auf die Körpermitte besinnen.

Sich die Funktionen und Bewegungsmöglichkeiten der einzelnen Körperteile vorstellen (z. B. Finger spreizen und wieder schließen).

Die (möglichst plastische) Vorstellung wiederholen.

Auf richtiges Wiederholen achten (kein gebetsmühlenartiges Leiern, kein Maschinengewehrfeuer, keine Willensanstrengung, nicht mit Gewalt, sondern spielerisch-leicht). Es ist gar nicht so leicht, die richtige Arbeitshaltung einzunehmen.

Schließlich ein Körperteil auffordern, eine Bewegung auszuführen.

Abwarten und eine hoffnungsvolle, positive Grundstimmung zulassen.

Martina Reber, Sowi-Gruppe in Düsseldorf

Angela Gröschl, Sowi-Wochenenden am Chiemsee

Sowi-Therapie bei Leverkusen, Köln, Bergheim

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