"Unterwegs in die nächste Dimension"

Den Film habe ich im März 2002 in Kino gesehen. Später, während der Tibet-Ausstellung in Rosenheim, wurde "Living Buddha" gezeigt und die Woche drauf der Making-of-Film, bei dem auch Clemens Kuby anwesend war. Mittlerweile hat er eine Akademie gegründet, um die Selbstheilungskräfte der Menschen zu stärken.

Esotera April 2002 Interview mit Clemens Kuby.

In seinem Film "Unterwegs in die nächste Dimension" zeigt der Dokumentarfilmer Clemens Kuby, wie Schamanen aus aller Welt der Seele auf die Sprünge helfen, um den Körper von Krankheiten zu heilen. Die neue esotera sprach mit ihm über seine Erfahrungen während der Dreharbeiten.

Acht Monate lang reiste Clemens Kuby um die Welt, um Schamanen aus 14 verschiedenen Kulturen bei der Arbeit zu beobachten. Diese Mittler zwischen den Welten heilen über die unterschiedlichsten Rituale auch schwerste Krankheiten. Das auf Zelluloid gebannte Geschehen wühlt die Zuschauer auf. Weibliche Kinogänger brechen während des Films sogar gelegentlich in erlösendes Weinen aus: Was hier über die Kraft des menschlichen Geistes offenbar wird, befreit das Gemüt von jenen Zweifeln, die oft genug die so genannten Selbstheilungskräfte des Menschen sabotieren. Einige Zuschauer behaupten gar, daß die im Film gezeigten schamanistischen Rituale auch von der Kinoleinwand aus eine heilende Wirkung entfalten. Doch das Gezeigte zieht auch skeptische Zuschauer in seinen Bann. Was vor allem klassisch-westlich ausgebildete Ärzte bislang nicht für möglich gehalten haben, kann man nun erschüttert im Kinosessel mitverfolgen: HIV-Infizierte und Krebskranke im letzten Stadium werden von einem Schamanen geheilt. Der Beweis: Auch Schulmediziner können die vorher diagnostizierte Krankheit im Körper der Betroffenen nach dem Heilungsritual nicht mehr nachweisen. Dreht sich unsere westlich geprägte Schulmedizin im Kreis? Wenn ein burmesischer Heiler mit einem selbstfabrizierten Medikament mehr erreicht als unser moderner Medizinapparat, dann ist es an der Zeit, sich um jenen Bereich zu kümmern, für den westliche Medizinmänner sich (noch) nicht zuständig fühlen: den Geist oder die Seele des Menschen. Um die Macht des Geistes über den Körper zu illustrieren, hat Regisseur Clemens Kuby, Autor von Filmen wie "Living Buddha" und "Das alte Ladakh", mit seinem neuen Film Zonen der menschlichen Existenz ausgeleuchtet, die vor allem für westliche Kinofans bisher noch völlig im Dunkeln lagen. In seinem Werk wird der Zuschauer nämlich nicht nur Zeuge verblüffender Heilerfolge, sondern kann auch mitverfolgen, wie eine körperlose Wesenheit in eine nepalesische Heilerin eintritt und die koreanische Schamanin Hi-Ah Park einen jungen Drogensüchtigen überwältigt, um ihn an den geistigen Ort seiner Sehnsucht zu befördern...

Frage: Sie haben sich mit schamanistischen Methoden auf der ganzen Welt befasst. Brachte das Ihre buddhistische Grundhaltung ins Wanken?
Antwort: Ich habe in den letzten 15 Jahren zehn Filme über Buddhismus gemacht, weil ich den Buddhismus für eine sehr intelligente Religion halte. Andererseits fiel mir auf, daß es auf der Welt laut Internet momentan 30 Glaubenskriege gibt und 100 bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen ethnisch unterschiedlichen Gruppen. Das Motiv für Soldaten, zu morden, zu plündern und zu zerstören, wird getragen von dem Glauben, daß ihre Wahrheit höher steht als die der anderen. Ich bin losgereist und habe mir angesehen, wie die Glaubenskonzepte in anderen Kulturen aussehen. Ich habe festgestellt, daß es sich nicht lohnt, Krieg darum zu führen, denn sie alle sagen eigentlich dasselbe, nur haben sie verschiedene Kostüme und Rituale.
Frage: Was halten Sie persönlich vom Schamanismus?
Antwort: Ich habe die Schamanen kennen gelernt als Leute, die nicht gerade heilig sind. Das sind keine Erleuchteten. Sie haben ihre persönlichen Probleme und haben genauso mit ihrem Ego zu kämpfen wie wir auch. Sie sind sogar stärker herausgefordert, weil sie ja in ihrer Gesellschaft eine priviligierte Position haben. Wer so viel Achtung genießt in seinem Umfeld, der ist der Gefahr des Machtmißbrauchs viel stärker ausgesetzt als ein normaler Sterblicher. Es geht darum, den Schamanen richtig einzuschätzen: ob er ein gutherziger Mensch ist oder ob er abgründige Motive hat, seine Kunst anzubieten. Ich habe auch die unguten Typen kennen gelernt.

Frage: Wie viel Prozent der in Ihrem Film gezeigten Heilerfolge könnte man auch rational erklären?
Antwort: Bei allen Heilerfolgen, die ich bei diesen Schamanen erlebt habe, bleiben immer Fragen offen. Heilung entsteht aus einer Summe von Wirkungen. Der stärkste Faktor dabei ist der Patient selbst. Der Schamane fungiert als Projektionsfläche. Wenn ich zu ihm hinkomme mit ganz großen Erwartungen und er mir irgendwo etwas absaugt oder etwas auf den Körper bläst oder ohne materielle Substanz arbeitet, dann bin ich so hoch motiviert, daß es nur noch dieses kleinen Anstosses bedarf, damit mein Gehirn Botenstoffe entwickelt, also chemisch-elektrische Impulse setzt, die einen Heilungsprozeß in meinem Körper verursachen.

Frage: Ist das Vertrauen der Heilungssuchenden in den Schamanen unterlässlich?
Antwort: Ich würde sagen: Wenn man dem Schamanen mit Misstrauen begegnet, wird man nicht gesund.
Frage: Wie können sich östliche und westliche Medizin aus Ihrer Sicht ergänzen?
Antwort: Ich glaube, daß wir von der östlichen Medizin lernen können, wie man mit der Seele umgeht. Das Thema betrifft einen Zwischenbereich, den wir schon fast der Religion zuordnen. Der Osten versteht besser, wie man der Seele auf die Sprünge hilft. Wir gehen da viel gröber vor. Da wir eben materialistisch orientiert sind in unserer westlichen Gesellschaft, setzen wir auch alle Impulse, alle Wirkungsmechanismen materialistisch an. Wir denken: Dazu bedarf es einer Pille, dazu bedarf es eines Skalpells oder eines Laserstrahls. Es muß etwas technisch Grobes dahinter liegen. Eine feinstoffliche Art der Wirkung, die bis hin zu einer rein geistigen Wirkung reicht, die sich an nichts mehr festmacht, ist uns eher unheimlich, obwohl wir natürlich dasselbe Gehirn haben wie die Leute im Osten. Wer es am besten versteht, das Gehirn so zu stimulieren, daß es auch die richtigen Impulse an den Körper schickt, der ist derjenige, der heilt. Und wer heilt, hat Recht.

Frage: Gibt es für Sie persönlich eine spirituelle Entwicklung?
Antwort: Eine spirituelle Entwicklung ist für mich die Entwicklung weg von Dogmen in allen Formen, mit denen man lebt. Meistens wird einem ein Dogma erst dann bewußt, wenn man es überwunden hat. Solange man drinsteckt, hält man es für normal. Je weiter meine Entwicklung voranschritt, desto weniger habe ich an andere geglaubt. Heute halte ich keine Ausschau mehr nach einem Guru oder geistigen Lehrer, weil ich gelernt habe, daß es sowieso nur auf mich ankommt. Er kann mir nichts abnehmen, er kann mir nur Anstöße geben. Er kann mir zeigen, wo meine Grenzen sind.
Frage: Sehen Sie eine direkte Verbindung zwischen Lebensstil und Heilung?
Antwort: Die Heilung kann ja manchmal sehr spontan und fast blitzartig erfolgen. Aber damit sie von Dauer ist, muß ich eigentlich Konsequenzen daraus ziehen. Das geht schon damit los, daß viele, die von Schamanen geheilt wurden, vergessen, darüber dankbar zu sein. Die nehmen das hin als eine billige Kur. Wenn sie sich von unserer Schulmedizin hätten bedienen lassen, wäre die Sache wesentlich teurer geworden. Viele von denen, die zu einem Heiler gehen, waren ja lange bei der Schulmedizin und haben dort keinen Erfolg erzielt, aber riesige Rechnungen produziert. Sie haben zwar plötzlich Heilung erfahren, aber sie machen sich nicht bewußt, welche Leistung dahinter steckt. Sie denken, weil sie gesund sind, können sie so weiter leben wie vorher. Das funktioniert meistens nicht. Ich habe einen eklatanten Fall erlebt, und zwar mit den Tabletten eines burmesischen Heilers. Der Patient war erst 18 Jahre alt und hatte Krebs in einem sehr fortgeschrittenen Stadium. Er bekam diese Pillen, glaubte an sie und hat seinen Krebs überwunden, was auch in der Klinik festgestellt wurde. Er hat sich so gefreut über seine wieder erlangte Gesundheit, daß er wieder voll in sein altes Leben gegangen ist. Er fing wieder an zu rauchen, zu saufen und sich in einem sehr ordinären Milieu zu bewegen. Es hat nur ein Jahr gedauert, dann kam der Krebs zurück und drei Wochen später war er tot.

Frage: Unter Geistheilung versteht man eine Heilung des Geistes durch den Geist des Schamanen. Ist es aus Ihrer Sicht möglich, jede Krankheit auf diese Weise zu heilen?
Antwort: Ich bin davon überzeugt, daß die tiefste Ursache für eine Krankheit immer seelischer Art ist, so daß eine Krankheit letztlich nur über die Seele geheilt werden kann. Durch den Schamanen oder Heiler komme ich zu neuen Gedanken bezüglich des Problems, das mich betrifft. Durch diese neue Sicht wird die Krankheit dann transformiert.

Frage: Also nur der, der bereit ist, diesen Schritt zu tun, kann geheilt werden?
Antwort: Niemand, der einen Schamanen konsultiert, kann mit einer Konsumhaltung geheilt werden, so nach dem Motto: "Jetzt zeig mal, was du kannst...". Wenn jemand nicht aktiv mitarbeitet und nicht bereit ist, neue Horizonte sehen zu wollen, dann passiert nichts. Der wird den Schamanen für einen Scharlatan halten, weil er vielleicht noch eine Spende dagelassen hat. Solchen Leuten tut das ja dann immer besonders weh. Wenn man nicht über seinen eigenen Schatten springen möchte, braucht man nicht zu einem Schamanen gehen.

Frage: Haben Sie Bedenken, daß Ihr Film so verstanden werden könnte, daß Heilung auch von gravierenden Krankheiten für jeden möglich ist?
Antwort: Wir haben es sicher mit einer großen Sehnsucht nach Heilung zu tun, und die ist bei den Zuschauern eines solchen Filmes noch stärker als beim Durchschnitt der Bevölkerung, weil sie bereits mit dieser Motivation das Ticket kaufen. Diese Sehnsucht bewirkt, daß man glaubt, jeder kann geheilt werden. Es gibt verantwortungsvolle Schamanen, die sagen manchen Leuten von vornherein, daß sie ihn nicht heilen können, weil sie einfach sehen, daß bestimmte Krankheiten karmisch oder so tief in der Persönlichkeit verankert sind, daß sie ausgebrütet werden müssen. Es steht hinter der Krankheit ein so starker Konflikt, daß er sich nicht so ohne weiteres durch eine neue Sicht auflösen lässt.

Frage: Steht zu erwarten, daß das bislang gültige Weltbild vieler Zuschauer durch diesen Film auf den Kopf gestellt wird?
Antwort: Ich glaube nicht, daß das passiert, sondern ich gehe davon aus, daß sich die Zuschauer an etwas erinnern, was sie eigentlich schon immer wußten, aber sich nicht trauen, daran zu glauben. Es kann also sein, daß der Film ihnen die Bestätigung gibt, daß sie mit ihrem Glauben gar nicht so verkehrt liegen. Als Kind hat jeder die Welt viel magischer gesehen als als Erwachsener. Für ein Kind sind Gedankenübertragungen viel selbstverständlicher als für einen Abiturienten. Von daher berührt der Film etwas, das in jedem Menschen drin ist. Das Weltbild der Zuschauer wird also vom Kopf wieder auf die Füsse gestellt.

Frage: Welche Möglichkeiten gibt es für die Zuschauer, das Thema zu vertiefen oder persönlich Heilung zu suchen? Wohin können sich diese Interessenten wenden?
Antwort: Auf der Homepage findet der Zuschauer die selben Schamanen wieder, die er im Film gesehen hat, mit Adresse, mit Zugang zu deren Seminaren bis hin zu Terminen für Einzelsitzungen, die über das Internet gebucht werden können. So kann eine konkrete Beziehung zum Schamanismus hergestellt werden. Man wird im Internet auch die Adressen der anderen Schamanen, die im Film nicht zu sehen sind, abrufen können. Mittlerweile weiß ich, daß es hier in Bayern ebenfalls Schamanen gibt. Doch die wollen sich bislang nicht outen, weil in unserer Gesellschaft noch erhebliche Vorbehalte gegen solche Menschen bestehen. Aber die Zeiten ändern sich, und vielleicht trägt auch der Film dazu bei, daß sie sich schneller ändern und jeder diesem intuitiven Bereich in sich nachgeben kann.

Man kann den Film nun als Video bestellen, was ich persönlich sofort getan habe. Das Video kostet 30,50 Euro plus 2,50 Euro Versand gegen Vorauskasse auf das Konto 0207464 bei der Deutschen Bank München, BLZ 70070024. Bestellung an: Mindfilms GmbH, Kreuzeckweg 16, 85748 Garching, Tel. 089-32679811, Fax 32679812 und e-mail: mindfilms@t-online.de

Homepage ESOTERA

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Heilung aus dem Geiste - Artikel von Hermann Grösser, COMED Ausgabe 2/2002

Seit Ende Januar läuft in Deutschland der neue Film von Clemens Kuby mit dem Titel: "Unterwegs in die nächste Dimension". Hier wird der Zuschauer in eine Welt geführt, die sich dem naturwissenschaftlichen Denken entzieht, in die Welt der Schamanen, Geistheiler und Alchemisten. In seiner Kino-Dokumentation besucht er sechs Menschen, in sechs verschiedenen Kulturen, die besondere Fähigkeiten haben. Ihnen allen ist etwas gemeinsam: Das Wissen um die Kraft des Geistes.

Dieses Wissen ist in der ganzen Welt, unabhängig von der jeweiligen Kultur, überraschend ähnlich. Entscheidend für den Erfolg dieser Menschen ist nicht, was im Außen geschieht, was sie tun oder anwenden, sondern die Kommunikation auf geistigem Wege, d.h. welche inneren Bilder zwischen ihnen und ihren Patienten entstehen. In dem Film taucht der Zuschauer in eine Welt mit phantastischen Möglichkeiten. Er kommt in Kontakt mit einem Schamanen im Amazonas-Dschungel, einem phillipinischen Chirurg ohne Messer, einem in Trance heilendem Medium in Nepal und einer koreanischen Extase-Tänzerin. Gezeigt wird auch die rätselhafte Herstellung eines AIDS-Heilmittels, ein Experiment zum wissenschaftlichen Nachweis geistiger Kräfte und die Heilung von Krebs.

Das Interesse an Ethnomedizin ist in den letzten Jahren enorm gestiegen, auch auf den Basler PSI-Tagen, die unter dem Motto "Geistiges Heilen" standen, war der Schamanismus ein hochaktuelles Thema. Kein Wunder also, daß nun auch die Reiseveranstalter ein entsprechend breites Angebot im Programm haben. Von der Initiation zum Voodoo-Priester in Benin bis him zum Besuch bei einem Schamanen im brasilianischen Urwald ist alles in greifbare Nähe gerückt. Wer sich jedoch auch bei uns damit intensiv befassen möchte, sei auf das Institut für Ethnomedizin in München hingewiesen. Neben zahlreichen Seminaren veranstaltet das Institut auch die Weltkonferenz der Ethnotherapien vom 11. bis 13. Oktober 2002 in der Ludwig-Maximilianus-Universität in München und hat sogar einen Telefonservice zu Fragen der Ethnomedizin eingerichtet (näheres dazu unter: www.ethnomedizin.de).

Es mag Therapeuten zu Denken geben, daß einerseits der Schamanismus seit 1980 von der Weltgesundheitsorganisation WHO als legitime Heilmethode anerkannt ist, andererseits jedoch die geistigen Wirkfaktoren von einer materialistisch ausgerichteten Wissenschaft bei uns immer noch ignoriert werden. Dabei sind diese seit eh und je auch in unserem Kulturkreis bekannt. Schon Paracelsus (1493-1541) bemerkte:

"Das ist kein Arzt, der das Unsichtbare nicht weiß, das keinen Namen trägt, keine Materie hat und doch seine Wirkung. Nicht der Corpus ist die Arznei, das wahre Arkanum ist unsichtbar."

Doch zurück zu Clemens Kuby, der in dem folgenden Interview einige weiterführende Kommentare zu seinem Film "Unterwegs in die nächste Dimension" für die Leser von COMED gibt.

COMED: Herr Kuby, was hat Sie bewogen, dieses Thema aufzugreifen und was wollten Sie damit erreichen?

Ich habe vorher zehn Jahre lang Filme über den Buddhismus gemacht und es wurde mir immer mehr ein Anliegen, dass die Konkurrenzsituation zwischen den Religionen überwunden wird. Auf der Welt gibt es derzeit 30 Kriege und dazu noch über hundert bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen ethnisch unterschiedlichen Gruppen, in denen es um den Glauben geht. Einen Soldaten kann man leider nur dadurch motivieren einen Gegner zu zerstören, wenn ihm suggeriert wird, dass seine Wahrheit höher ist, als die des Gegners. Diese Art von Dogmatismus finden wir bei allen Glaubenssystemen, er entsteht vor allem dann, wenn geglaubt wird, dass der eigene Weg der einzig wahre ist. Das Problem dabei ist nur, dass derjenige, der auf dem Weg ist, solange die anderen Wege nicht sehen kann, bis er auf der Spitze des Berges angekommen ist, erst dann erkennt er, dass auf diesen sehr viele, unendlich viele Wege hinauf führen. Aber dies ist leider im Bewusstsein der Menschen nicht vorhanden. Deshalb habe ich mir die spirituellen Wege in den verschiedenen Kulturen rund um den Erdball angeschaut. Ich war in 14 Ländern, d.h. in 14 Kulturen und habe 14 unterschiedliche Schamanen, Heiler oder wie immer sie auch in den jeweiligen Kulturen heissen, bei ihrer Arbeit gefilmt. Wenn man denen jedoch das kulturelle Mäntelchen auszieht, spielt es im Grunde genommen keine Rolle, ob dies nun in eine gelbe, weisse oder schwarze Haut gepackt ist. Die Heiler auf der ganzen Welt machen mehr oder weniger das gleiche. Erreichen möchte ich vor allem, dass wir uns dessen bewußt werden und dass auch bei uns derartige Methoden akzeptiert werden.

COMED: Das klingt zwar alles recht gut, doch sind die Methoden und Bewertungskriterien dieser Menschen recht unterschiedlich und lassen sich auch nicht ohne weiteres auf unsere hiesigen Verhältnisse übertragen. Sie leben in einer anderen Wirklichkeit, die sich größtenteils unserer rationalen Denkweise entzieht.

Ja, aber die müssen alle mit dem gleichen Gehirn arbeiten und dieses Gehirn hat eine ganz bestimmte Architektur und die liegt darin, dass es prinzipiell nicht unterscheiden kann zwischen Realität und Illusion. Diesen Umstand machen sich alle Schamanen zu Nutze, denn sie wissen, dass auch eine Illusion Reaktionen im Körper hervorrufen kann. Reaktionen, die nur auf Grund einer Information, einem Glaubenssatz entstehen, genau so, wie sie durch pharmakologische Maßnahmen in Gang gebracht werden können.

Die Ergebnisse der Placeboforschung, die weltweit intensiv betrieben wird, beweisen, dass auch in unserer bestehenden Medizin die Wirkung von vielen Medikamenten zwischen 50 %, ja sogar bis zu 80 % nur auf der Information beruhen.

Ich finde es lächerlich, wenn Kritiker meines Films hergehen und sagen: Na ja, wir wissen doch, dass die philippinischen Heiler Hühnerblut verwenden und dass das alles "fake", also unecht, gefälscht ist. Diese Scharlatane, die muss man verdammen und ausgrenzen, etc. und ihnen nicht auch noch Geld geben. Ich möchte dazu ein Beispiel aus unserer eigenen Kultur anführen: Wir sitzen in einem Spielfilm und erkennen, dass die auf der Leinwand Schauspieler sind und dass der Mensch, der da erschossen wurde, gar nicht gestorben ist und dass das Blut Ketchup oder sonst was ist. Im Grunde genommen ist dies alles "fake", es ist absolut gelogen.

COMED: Sicher, nur, dass der Film nicht das Leben ist.

Ja, aber das Leben spielt sich geistig ab. Wenn der Heiler das Hühnerblut nimmt, dann macht er eine Performance, genauso wie ein Schauspieler auf der Bühne, er dramatisiert seinen Inhalt. Er rezitiert nicht nur einen Autor, sondern das Ganze wird auch noch mit Hilfsmitteln wie Licht, Musik, Klängen und Aktionen dramatisiert. All dies kann dazu führen, dass dem Zuschauer ein Schaudern über den Rücken läuft und er die Szene nie wieder vergisst und dass auch in seinem eigenen Leben etwas bewegt wird. Keiner würde doch jetzt hergehen und sagen, das sind alles Scharlatane, die sprechen nicht einmal ihren eigenen Text, die gaukeln uns was vor, alles, was die da vorne gemacht haben ist "fake". Das Gegenteil ist der Fall, eine großartige Leistung, eine fantastische Inszenierung würde man doch sagen.

Genauso betrachte ich einen Heiler der mit Hühnerblut den Patienten ein derartiges Erlebnis verschaffen kann, dass er ihm während der Behandlung eine Krankheit aus dem Körper holt und das Gerinnsel in den Mülleimer wirft und die Psyche des Patienten das auch annimmt. Es ist doch schlussendlich genauso wie bei uns, wenn wir auf Grund einer guten Darstellung Tränen vergießen oder uns panisch aufregen oder wie auch immer und wir als Folge davon eine echte körperliche Reaktion zeigen. Da sagt man auch "Hut ab", das ist ein toller Regisseur, der konnte Wirkung erzielen. Ebenso sehe ich das mit den Heilern, wenn einer mit seiner Performance heilt, damm hat er nicht nur Recht, dann ist er ein großer Künstler. Deswegen gibt es für mich die Verurteilung als Scharlatan nicht mehr. Natürlich gibt es Heiler die können diese Performance besser als andere, aber Scharlatan in diesem Sinne, der für seine Tricks verbannt werden müßte, dass ist eine Arroganz und eine Unkenntnis der Funktionsweise des eigenen Gehirns, die man unbedingt aufklären muss.

COMED: Nun, etwas ganz ähnliches passiert auch in der täglichen Praxis bei uns, nur ist es den wenigsten als solches bewusst. In der Alternativmedizin z. B. sind sogenannte Glaubensverstärker im Einsatz, da sind oft teure Pseudomaschinen, die im Grunde genommen keine andere Funktion zu erfüllen haben, außer, dass dem Anwender und den damit behandelnden Patienten eine Wirkung suggeriert wird, die gar nicht existent ist. Auch das ist "fake" und trotzdem sind die damit erzielten Erfolge, zum Leidwesen der Schulmedizin, beachtlich. Ich nenne das auch den elektronischen Schamanismus, da auch hier in erster Linie mit der Kraft des Geistes gearbeitet wird. Ihr Film hat den Titel "Unterwegs in die nächste Dimension", was verstehen Sie darunter bzw. was möchten Sie damit ausdrücken?

Das ist im Grunde genommen eine ganz einfache Umschreibung dessen, was es da zu erkennen gibt. Bekanntlich hat der Mensch nicht nur einen rationalen Verstand, sondern auch die Intuition, die viel wichtiger und bedeutungsvoller für ihn ist. Gehirnforscher sagen, dass wir unser Leben mit nur zehn Prozent dessen bewältigen, was unser Gehirn zu leisten vermag. Leider gibt es in unserer Gesellschaft keine offizielle Schulung für den brachliegenden, intuitiven Bereich.

Das geht schon im Kindergarten los, wo Kinder das Malen anhand von vorgefertigten Formen und angebotenen Farben üben müssen und was sich durch die ganze Schulzeit bis hin zur Universität oder der Berufsausbildung fortsetzt. Immer wird verlangt, dass der Mensch vernünftig, rational reagiert und sich in dieser Weise auch schult. Der intuitive Bereich bleibt im Grunde genommen Privatsache, die anerkannten Ausbildungssformen, die bei uns diesen intuitiven Bereich fördern, sind gleich Null. Doch wie können wir auf diesem Planeten in anständiger Weise überleben, wenn wir nur mit 10 % unseres Gehirns arbeiten? Wir müssen ganzheitlich werden und das ist die nächste Dimension, d.h. wir müssen unsere gesamten naturgegebenen Fähigkeiten ins Leben mit einbringen können und da sehe ich die Schamanen als Meister, die uns zeigen, wie man mit intuitiven Kräften alles bewirken kann.

COMED: Sie zeigen in Ihrem Film mehrere Schamanen/innen und Heiler bei ihrer Arbeit. Für mich fehlen da noch die Medizinmänner Afrikas. Gab es einen Grund, warum Sie diese nicht in Ihrem Film mit aufgenommen haben?

Ich habe in Burkina Faso und im Sudan gedreht und habe auch südafrikanische Sangomas gefilmt, musste jedoch aus zeitlichen Gründen auf eine Filmlänge kommen, die unter eineinhalb Stunden liegt und deshalb sind sie dieser Kürzung zum Opfer gefallen.

COMED: Voodoo, eine ursprünglich rein afrikanische Religion, wird bei uns starkes Interesse entgegengebracht. Es ist das Magische, was die Menschen daran anzieht. Die Hoffnung mit Magie sich geheime Wünsche zu erfüllen. Alleine in den letzten zwei Jahren sind in deutscher Sprache 14 neue Bücher darüber erschienen. Haben Sie sich auch mit diesem Thema befasst?

Voodoo ist mir nicht begegnet, die Reise, die ich gemacht habe war schon im Einklang mit der nächsten Dimension, sie war rein intuitiv, ich habe keine bestimmten Pläne angestellt, sondern habe es mehr oder weniger dem Zufall überlassen. So bin ich auch jedesmal im Zentrum der spirituellen Bewegung der jeweiligen Kultur gelandet und konnte problemlos filmen.

COMED: Im Vergleich zur westlichen Medizin, die vorwiegend auf Einzelbehandlungen fußt, finden Schamanistische Behandlungen in Gruppen statt. Hat das gewisse Vorteile?

Das ist nun einmal in diesen Kulturen so, man geht da eigentlich ganz praktisch vor. Jeder hat etwas davon wenn er sieht wie andere geheilt werden. Dies löst vielleicht auch in ihm Prozesse aus, für die es in der Einzelbehandlung gar keine Zeit gäbe. Ich habe nirgendwo einen Schamanen getroffen, der unterbeschäftigt gewesen wäre, sie sind alle den ganzen Tag, mit ganz wenig Ruhepausen im Einsatz. Es gibt natürlich auch Einzelsitzungen, das ist ganz klar, aber dann ohne Kamerateam, denn sonst wäre die Einzelbehandlung ja auch schon wieder keine mehr.

COMED: Ist denn die Wissenschaftsgläubigkeit bei uns kein hemmender Faktor für derartige Behandlungen?

Im Gegenteil, die Wissenschaftlicher sollen mit ihren Messinstrumenten kommen und überprüfen, was im Moment der Heilung im Gehirn abläuft und die Aufzeichnungen studieren, die dabei entstehen. Dies wird bereits an einigen Stellen gemacht, wie z. B. in Stuttgart oder Wien, doch das Problem mist, dass die Messinstrumente noch zu grob sind um dem, was wirklich abläuft gerecht zu werden. Die Gehirnforschung befindet sich immer noch in den Anfängen und nicht umsonst hat Japan einen nationalen Etat für Gehirnforschung von mehreren Milliarden Dollar bereitgestellt. Von Allem wissen wir nur das Wichtigste, die Schaltzentrale unseres gesamten Daseins, das Gehirn, kennen wir so gut wie überhaupt nicht.

COMED: Was wir natürlich messen können, sind die Auswirkungen derartiger Behandlungen, aber der Inhalt, die Botschaft an sich, bleibt uns bisher noch verborgen.

Das ist schwer zu definieren auf welche Ursache nun diese Auswirkungen zurückzuführen sind. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Prof. Porzholt (Uniklinikum Ulm) ein Projekt mit der Robert Bosch Stiftung in Stuttgart in Angriff nehmen möchte, bei dem bereits von der Tatsache ausgegangen wird, dass Information heilt, aber nun erforschen möchte, um welche Art der Information es sich dabei handelt.

COMED: In der Alternativmedizin weiss man seit langem, dass Information heilt und dass im Grunde genommen jede Art von Krankheit positiv damit beeinflusst werden kann. Auch die erwähnten Pseudomaschinen funktionieren nach demselben Prinzip. Ähnlich wie bei den Heilern wird damit eine Performance, ein Ritual gemacht und das Gerät ist nichts anderes als ein Symbol, d.h. ein materieller Repräsentant eines geistigen Prinzips. Das Problem ist nur, dass die Schulmedizin diese Art der Behandlungen bisher als unkonventionell und abseits der Rationalität hinstellt. Doch dies mag sich ja in Zukunft ändern, vielleicht liefert sogar Ihr Film einen Beitrag dazu.

Als Regisseur mache ich im Grund egenommen doch auch nichts anderes, ich arbeite für die Wirkung meines Films. Ich zeige dem Publikum letztlich nur Licht und Schatten, verkaufe ihm eine Illusion, die erst durch die Reaktion des Zuschauers Wirklichkeit erlant. Ein Projektor strahlt auf eine Leinwand nur Licht und Schatten und die Leute gehen mit einer echten körperlichen Reaktion davon. Ist das nicht unglaublich? Im Dokumentarfilm hat man es natürlich noch ein bisschen schwerer, doch auch da wird durch Schnitt und Ton, durch Ausschnitt uws. grob gesagt, manipuliert. Es ist nie die Widerspiegelung der Wahrheit, das kann es gar nicht geben. Ich habe fünf Jahre Dokumentarfilm an der Universität gelehrt und immer meinen Studenten gesagt: Den einzigen Dokumentarfilm, den ich als solchen überhaupt gelten lassen kann, ist die Überwachungskamera am Bankschalter, die macht vielleicht einen Dokumentarfilm, alles andere ist Kunst und ist auf Wirkung ausgerichtet.

Es ist natürlich entscheidend, und das muss sich ein Schamane auch fragen, was sein Motiv ist, um zu manipulieren? Möchte er möglichst schnell an viel Geld kommen, hat er das Motiv, dem Menschen zu helfen koder vielleicht irgendwelche eigenen Bedürfnisse abzureagieren, oder was ist sonst sein Motiv. Wenn man bei einem Schamanen darauf kommt, dass er positive Motive hat, dass er ein liebevoller Mensch ist, er wirklich altruistisch, selbstlos den Menschen helfen möchte, dann ist alles, was er tut, gut. Aber dass es Egoisten gibt, das ist allen bekannt, die gibt es unter den Ärzten genauso. Trotzdem gehe ich zu einem Arzt, obwohl ich weiß, er will sich eine neue Yacht verdienen oder sein Ferienhaus in Kitzbühel renovieren, oder was auch immer, deswegen verdamme ich ihn doch nicht und bezweifle seine Motivation.

Eine Garantie auf Heilung ist nie gegeben, ich trage auch bei der Schulmedizin bei jeder Operation das Risiko alleine.

COMED: Der Schamanismus ist bereits seit 1980 von der WHO als legitime Heilmethode anerkannt. Glauben Sie, dass Schamanistische Methoden auch bei uns offiziell anerkannt werden sollten?

Das ist, wie eingangs bereits erwähnt, auch eines der Ziele des Films, davon träume ich, dass es in Deutschland eines Tages genauso viele offiziell niedergelassene Schamanen gibt, wie niedergelassene Ärzte.

COMED: Ist denn Geistheilung, wie sie bei uns praktiziert wird, nicht bereits ein Schritt in diese Richtung?

Ein Schamane macht nichts anderes als Geistheilung.

COMED: Und was ist mit Handauflegen, eine Methode die bereits im frühen Christentum praktiziert wurde, gehört auch sie in diese Kategorie?

Das sind alles die gleichen Dinge, Rituale für die Wahrnehmungsfähigkeit unseres Gehirns. In der einen Kultur gilt eben das Handauflegen als besonders wirksam und bei anderen, ein Huhn zu schlachten. Das ist nur eine Frage der an die Kultur angepassten Darstellungsweise. Ich habe z. B. den Zuschauern in Freibug nach der Filmvorstellung erzählt, dass die Wirkungen grösstenteils auf Placebo zurückzuführen seien. Die waren tief enttäuscht und mochten mich gar nicht mehr, denn sie erwarteten etwas völlig anderes. Die wollten etwas Magisches hören, meinten, dass dies doch etwas ganz Mystisches sein müsste. Es ist höchst erstaunlich, dass diejenigen die meinen, sie selbst seien die ganz rationalen Denker, plötzlich ganz enttäuscht sind, wenn es keine Magie mehr gibt. Natürlich bleibt immer ein rätselhafter Rest übrig und wird es wahrscheinlich auch bleiben solange es die Menschheit gibt.

Mit dem, was wir bereits wissen, haben wir jedoch schon ein unglaublich gutes Instrument an der Hand, die Dinge zu analysieren und wir können diesen Leuten, diesen Schamanen Respekt entgegen bringen und sie nicht länger diskriminieren, sondern von ihnen lernen, darum geht es mir in erster Linie.

COMED: Herr Kuby, besten Dank für das Gespräch.

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"Wie die Seele den Körper heilt" Bio 6/2003, Dezember/Januar

"Das alte Ladakh", "Living Buddha", "Unterwegs in die nächste Dimension - dies sind vertraute Filmtitel des bekannten deutschen Filmemachers Clemens Kuby. Im BIO-Interview offenbart er seine spirituelle Weltsicht und gibt Hinweise, wie es jedem möglich ist, sich selbst zu heilen.

Seit 30 Jahren als Filmproduzent und Regisseur im Geschäft, zeigte Clemens Kuby immer wieder aufs Neue, dass man mit spirituellen Dokumentarfilmen auch das breite Publikum erreichen kann. In seinem aktuellen Buch "Unterwegs in die nächste Dimension" berichtet er zum ersten Mal auch über seine eigene Heilung. Kaum jemand weiß, dass der Filmemacher Clemens Kuby eines Nachts im Jahre 1981 aus dem Fenster stürzte und danach querschnittgelähmt war. Eine erschütternde Diagnose, die für ihn dennoch der Beginn zu einem neuen Leben werden sollte.

BIO: Ihr jüngster Film "Unterwegs in die nächste Dimension" lief letztes Jahr in deutschen Kinos und berichtet von Schamanenheilungen aus aller Welt. Seit kurzem ist Ihr gleichnamiges Buch auf dem Markt. Und sie arbeiten zur Zeit an einer Fernsehserie über Geistiges Heilen, die im Frühjahr 2004 in den Dritten Programmen der ARD ausgestrahlt werden soll. Welche Bedeutung hat für Sie der Begriff "Geistiges Heilen"?

Clemens Kuby: Kein Mensch weiß, wie Geistiges Heilen eigentlich wirklich funktioniert. Fest steht nur: Wunder finden nicht im Äußeren statt. Unser Gehirn ist das Wunder. Es kann durch geistige Aktivität Heilung schaffen. So werden durch Gedanken neue Impulse über die Synapsen aktiviert, die Heilprozesse auslösen können.

84 hoch 10 Schaltmöglichkeiten gibt es im Gehirn. Das ist mehr als im Universum Partikel vorhanden sind. Und das Tolle: Um etwas im Gehirn umzuschalten oder umzuprogrammieren, braucht es nicht Tage, Wochen, Monate oder Jahre, sondern nur wenige Sekunden - wie moderne Gehirnforscher festgestellt haben. Die Voraussetzung ist allerdings, dass man es auch will und daran glaubt. Dabei spielt es keine Rolle, was mich letztlich heilt. Das kann alles sein: von Chemie bis Schamanismus. Ein Beispiel: Wenn ich nicht an die Wirkung von Penicillin glaube oder gar von der schädlichen Wirkung überzeugt bin, wird mir dieses Mittel auch nicht helfen, sondern mich eher noch mehr schwächen.

Ein anderes Beispiel: Eine Frau ist durch einen Schamanen von ihrem steifen Bein befreit worden, das sie jahrelang geplagt hat. Zurück in Deutschland sagt ihre Schwester: "Was, an so einen Hokuspokus glaubt du?" Auch andere Bekannte melden Zweifel an: "Warst du denn schon beim Arzt? Nein? Dann geh aber bald mal hin!" Kurze Zeit später bekommt die Frau wieder Schmerzen, das Bein wird wieder steif. Kein Wunder.

Diese Beispiele zeigen: Wir müssen Vertrauen in die Medizin haben - ganz gleich in welche. Wenn wir zweifeln, funktioniert´s nicht. Wir könnten auf diese Weise wahnsinnige Kosten sparen. Denn unser Gehirn kann durch Illusion Realität schaffen. Ein guter Arzt sollte immer auch ein Schamane sein. Denn Schamanen sind Meister der Intuition - und darauf kommt es an.

BIO: Wie ist es Ihnen damals, vor mehr als 20 Jahren gelungen, sich aus dem Rollstuhl zu befreien?

Clemens Kuby: Ich habe die Diagnose nicht akzeptiert. Das lief rein intuitiv ab. Es ging mir psychisch gut und ich war tief in meinem Inneren überzeugt, dass auf jeden Fall etwas Gutes nachkommen würde. So habe ich auch keinen Besuch geduldet. Ich wusste: Das Gerede, wie mein Leben im Rollstuhl aussehen wird, hätte mich heruntergezogen und von meinem innersten Vorhaben, weiterzukommen, abgebracht. Zu meiner Frau habe ich gleich am ersten Abend der Krankenhauseinlieferung gesagt: Ich glaube, es ist besser, wir trennen uns. (Sie war auch schon darauf programmiert). Und tatsächlich haben wir uns getrennt.

BIO: Bis zu Ihrem Fenstersturz verlief Ihr Leben in anderen Bahnen, war eher politisch-historisch orientiert. Ihr Vater, Erich Kuby, war Publizist und Spiegel-Redakteur. Sie selbst haben zwischen 1974 und 1980 die Partei "Die Grünen" mit aus der Taufe gehoben. Sie schaffte dann ja auch 1980 die 5-Prozent-Hürde und zog mit sechs Abgeordneten in den Stuttgarter Landtag ein. Hat es für den Wendepunkt in Ihrem Leben den Unfall gebraucht?

Clemens Kuby: Ja, für mich stand Ende 1980 fest, als es "Die Grünen" geschafft hatten, dass ich mein Leben ändern muss. Die neue Partei, an deren Gründung ich so leidenschaftlich mitgewirkt hatte, hatte mit meinen Ideen, als es anfing um die Macht zu gehen, nur noch wenig zu tun. Ich arbeitete für die Gründung der Grünen, weil ich nach der Studentenbewegung ein Leben mit und nicht gegen die Natur wollte.

1973 hatte ich einen Film über Bauern gedreht, die nach Rudolf Steiner lernten, ohne Chemie, mit den Kräften des Kosmos zu wirtschaften. Dieses Denken wollte ich in eine neue Partei etablieren. Es ging dann aber ganz schnell nur noch um Intrigen und Machtgerangel. Das war nicht meine Welt. Hinzu kamen noch andere private Schicksalsschläge wie der Tod meines ersten Kindes.

Danach musste ich mein Leben von Grund auf ändern. Und prompt geschah dieser Unfall. Es war eine Vollmondnacht und ich war wohl auch ein wenig mondsüchtig. Das Fensterbrett auf dem ich saß, war durch den vielen Regen ganz glitschig. Ich bin abgerutscht - im wahrsten Sinne des Wortes - und 15 Meter tief auf harten Asphalt gestürzt. Die Diagnose der Ärzte: Querschnittgelähmt ab der Hüfte. Den Rest des Lebens im Rollstuhl.

BIO: Durch ihren Unfall waren Sie plötzlich in einer "Null-Stellung" - zu nichts mehr fähig - wie Sie selber schreiben. Dadurch aber plötzlich aufs Engste mit Ihrer Seele verbunden. Intensiv haben Sie sich täglich um den Dialog mit ihr bemüht. Sie haben in sich selbst hineingehorcht und eine neue Lebensperspektive gefunden, die Sie wahrscheinlich dann geheilt hat. Oder was glauben Sie, wodurch Ihre Heilung zustande gekommen ist?

Clemens Kuby: Ja, das wichtigste war für mich, mit meiner Seele zu reden. Ich sagte es ja schon: Mir ging es psychisch nicht schlecht als ich im Krankenhaus lag. In dem Moment nämlich, als ich mich nicht mehr bewegen konnte, war mein Ego verschwunden. Das Ego ist nie da, wenn es einem wirklich schlecht geht. Denn das Ego ist auf das Materielle, den Körper, das Äußere bezogen. Es glaubt nicht an die Kraft des Geistes, es fürchtet sich vor allem und besonders stark vor dem Tod.

Ganz anders die Seele. Sie ist immer da: vor und nach dem Tod. Weil ich in der glücklichen Situation war, mich nur noch um meine Seele zu kümmern, kam es zu der Heilung. Das Ego hat an eine solche Möglichkeit der Spontanheilung nie geglaubt. Das Gespräch mit der Seele ist der Kern von allem. Nur so kann ich mir neue Wirklichkeiten schaffen.

BIO: Während Ihrer Zeit in der Heidelberger Spezialklinik erwachte ein Bild in Ihrer Seele - von einem Land außerhalb von allem, das Sie schon kannten. Das hatte fünf Kriterien: keine Straße, keinen elektrischen Strom, keinen Tourismus, kein Mehl, keinen Zucker. Dann kam Ihr alter Freund Fritz zu Besuch und sagte spontan: Das Land gibt es - das ist Ladakh. Es liegt im Himalaja. Immer noch lagen Sie halb gelähmt in Ihrem Krankenbett. Doch dies war der Anfang zu Ihrem Film "Das Alte Ladakh", den Sie schon wenige Jahre später drehen sollten. Welche Bedeutung hat dieser Film und dieses Land für Sie?

Clemens Kuby: Ich war ja völlig auf mein Inneres konzentriert. In dieser Innenschau tauchte das Bild von einer umgedrehten Gehirnschale vor mir auf. Sie glich einem Stadion, in dem wir alle mehr oder weniger gefangen sind. Dieses Stadion begrenzt das Denken. Und ich fragte mich: Wer denkt anders als ich oder jemand den ich kenne? Die Politik nicht, die Entwicklungsländer nicht - allen geht es ums Materielle, ums Geld. Um ein neues Bewusstsein zu finden, muss ich Menschen treffen, die andere Kriterien erfüllen. Und als mein Freund mir sagte, dass es dieses Land gibt und er schon zweimal dort war, wollte ich auch unbedingt dorthin. Von diesem Zeitpunkt an hatte ich einen wirklichen Grund, gesund zu werden. Es dauerte dann zwar noch rund vier Jahre bis ich nach Ladakh kam - aber ich habe es geschafft. Denn für jede Heilung braucht es letztendlich auch einen starken Stimulus und den hatte ich jetzt.

BIO: Nach dem Ladakh-Film folgten dann andere erfolgreiche Filme (insgesamt haben Sie sechsmal in Tibet gedreht) wie "Tibet - Widerstand des Geistes" oder "Living Buddha". Welcher Film war für Sie persönlich der wichtigste und warum?

Clemens Kuby: Der wichtigste Film für mich war "Living Buddha", für den ich 1994 auch den Bayerischen Filmpreis erhielt. Das Besondere an diesem Film: Er dokumentiert zum ersten Mal eine Wiedergeburt. Sie sehen in diesem Film einen Menschen in zwei Leben. Das hatte eine Dimension für mich, die konnte ich mir vorher nicht vorstellen. Sieben Jahre habe ich mich mit dieser Geschichte auseinandergesetzt, bis ich sie ins Kino bringen konnte. Es war die Erkenntnis: Die Seele stirbt nicht. Eine Erkenntnis, aus der ich seitdem oft Kraft schöpfe.

BIO: Hat der Buddhismus, dem Sie auf Ihren Reisen immer wieder begegnet sind, auf Ihr Leben abgestrahlt? Woran glauben Sie?

Clemens Kuby: Wie die Buddhisten glaube auch ich an die Kontinuität des Geistes. Denn die Natur des Geistes ist ohne Anfang und ohne Ende. So wie die Seele. Sie ist unsterblich und lebt immer wieder in anderen Körpern fort. Deswegen glaube ich auch an Wiedergeburt. Übrigens nicht nur an die Wiedergeburt von Menschen, sondern auch an die von Tieren, von allem was lebt. Auch das verbindet mich mit dem Buddhismus.

So weiß ich zum Beispiel, dass meine heute 17jährige Tochter Cosima meine wiedergeborene Großmutter ist, die ich sehr geliebt habe. Bevor meine Tochter gezeugt wurde, habe ich meine Oma eingeladen, mein Kind zu werden. Und dieser Wunsch ist mir erfüllt worden, wie ich heute an vielen Beispielen belegen kann. Ein kleines Beispiel: Wir machten einen Stadtbummel - Cosima war damals vier Jahre - und landeten plötzlich vor einem Musikgeschäft. Dort standen Klaviere. Unsere Tochter bettelte so lange, bis wir ihr spontan das Klavier kauften, das sie haben wollte. Das beste, das wir uns hätten aussuchen können, versicherte uns der Verkäufer. Es kostete mal eben 8000 Mark! Aber ich wusste, wie gerne und wie gut sie in ihrem letzten Leben gespielt hatte. Deshalb war die Investition gerechtfertigt. Meine Frau und ich dagegen haben niemals ein Klavier angerührt, geschweige denn gespielt.

BIO: Jemand wie Sie, der nicht nur über Heilungen schreibt und sie filmt, sondern Heilung am eigenen Leib erfahren hat, hat wahrscheinlich eine besondere Beziehung zum Leben. Was ist für Sie das Wichtigste? Welche Botschaft können Sie unseren Lesern und Leserinnen geben?

Clemens Kuby: Wichtig ist, dass man sich bewusst wird, dass man primär ein geistiges Wesen ist, das materielle Erfahrungen macht und nicht umgekehrt. Am Anfang allen Entstehens ist immer der Geist, die Idee - und wir verdichten sie solange, bis daraus oft etwas Materielles wird. Jeder wird von seinen eigenen Ideen, dem Geist, regiert. Wir sind, was wir denken. Wenn uns der Körper auf der Nase herumtanzt, etwa durch Krankheit, dann stimmt etwas in der Hierarchie nicht. Leider ist dies bei vielen Menschen der Fall. Solche gesundheitlichen Probleme entstehen dadurch, dass wir das Materielle über die Seele erheben. Aber nicht der Körper, sondern die Seele ist unsterblich.

Wenn wir uns das einmal klar machen, ist fast alles möglich. Dann brauchen wir auch keine Heiler, dann können wir uns selbst in Ordnung bringen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg. Jeder folgt seiner Wahrheit, seiner Überzeugung. Die feste Vorstellung, der Wunsch, die Sehnsucht, das Gebet, das Mantra, die Hinwendung, die Absicht - das alles ist unser stärkster Motor in diesem lebendigen Universum. So gesehen kann jeder sein eigener Schamane sein.

BIO: Herr Kuby, wir danken Ihnen für das interessante Gespräch.

Dezember 2004: Ich habe das Buch "Unterwegs in die nächste Dimension" geschenkt bekommen und im ersten Kapitel beschreibt Clemens Kuby die Heilung von seiner Querschnittlähmung. Außerdem finden sich noch mehr Reisen zu Heilern darin, als im Film zu sehen sind. Er macht übrigens nun auch Seminare und auf der Linkliste seiner Seite findet man weiteres Interessantes. Die Tage habe ich von einer weiteren Heilung bei Querschnitt gelesen - der Artikel befindet sich im Hypnose-Kapitel.

Oktober 2005: Es gibt ein neues Buch von Clemens Kuby, in dem er Heiler inmitten unserer Kultur entdeckt sowie uns Selbstheilungsprozessen nachvollziehbar macht. Ich habe es noch nicht gelesen, möchte es jedoch erwähnt haben.

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"Die Seele weiss, woran es krankt"
Interview mit Clemens Kuby aus der Visionen 6/2005

Selbstheilung ist möglich, davon ist Filmemacher und Buchautor Clemens Kuby fest überzeugt. Nachdem er sich in seiner letzten Regiearbeit "Unterwegs in die nächste Dimension" und dem dazugehörigen Buch erstmals ausführlich mit der Thematik des geistigen Heilens befasst hat, veröffentlichte Kuby gerade ein weiteres Buch, in dem er ausführlicher auf das "Wunder der Heilung" eingeht.

Sie beschreiben in Ihrem neuen Buch, dass es ein stückweit belastend für Sie ist, wenn immer wieder Leser auf Sie zukommen und in Ihnen die Lösung für ihre Probleme sehen.

Ja - diesen Trend führe ich auf unser Krankensystem zurück. Wir haben darin instituionalisiert, dass wir die Verantwortung für Erkrankungen an einen anderen abgeben. Es ist erstaunlich, dass mehr als 80 % aller Menschen auf die Frage, was ihnen das Wichtigste im Leben sei, Gesundheit antworten. Aber zugleich ist der Bereich Gesundheit derjenige, in dem sie die geringste Kompetenz besitzen. Ist es nicht erschreckend, dass die Thematik, die mir am wichtigsten ist, so unselbständig angegangen wird? Ich muss wegen allem an meinen Arzneischrank und nachschauen, was die Entwickler da Schlaues für mich kreiert haben. Oder ich muss einen Heiler, Arzt oder Therapeuten aufsuchen. Wenn unsere Katze hingegen krank ist, legt die sich für einen Tag in die Ecke, und danach geht es ihr wieder besser. Mit meinem Wissen bin ich davon überzeugt, dass sie ihren Selbstheilungskräften vertraut.

Sie stellen die These auf, dass der Glaube an ein - wie Sie es genannt haben - Vehikel, also zum Beispiel ein Bonbon anstelle einer Schmerztablette, die gleiche Wirkung wie ein Medikament haben kann. Aber das trifft sicher nur auf kleinere Wehwehchen zu.

Im Gegenteil, das funktioniert immer! Das Glaubenssystem bestimmt alles. Ich glaube an die Chemotherapie, so habe ich gute Chancen, dass die anschlägt. Umgekehrt funktioniert es genauso, wenn ich Penicillin ablehne, dann kann man mir so viel davon reinpumpen wie man will, es wird nicht wirken. Dann stellt der Arzt fest, der Mann ist resistent. Unser Gehirn ist einfach so programmiert.
Das Wort "Wirklichkeit" hat ja nichts mit Wahrheit zu tun, vielmehr geht es darum, dass das was wirkt , die Wirklichkeit ist. Wenn ich dem Placebo eine Wirkung zuspreche, dann habe ich auch die entsprechende Erfahrung damit. Nehmen wir das Beispiel Kino: Obwohl die Leute wissen, dass alles, was da auf der Leinwand zu sehen ist, erstunken und erlogen ist, fiebern oder leiden sie mit. Die Leute kaufen sich die Illusion. Beim Schamanen geht das genauso. Wenn ich das Ticket für diesen Placebo, diese Scharlatanerie kaufe, dann wirkt sie, eben wie im Kino auch.

Im Kino werden einige sicher auch deshalb so ergriffen sein, weil sie Parallelen zum eigenen Leben erkennen.

Natürlich! Aber genau so kann es Ihnen auch beim Schamanen gehen: Der sagt: "Ich sehe bei Ihnen ein Geschwür und ich operiere das Ihnen jetzt raus", dann lässt er Raum aufsteigen und Trommeln ertönen. Ein Spiegel-Reporter sieht sich das an und sagt: "Das stimmt alles nicht, das ist nur ein Trick." Dann antworte ich: "Na und?" Wenn ich daran glaube und wenn ich die Arbeit des Schamanen als Performance nehme, dann kann ich sagen, das hat er gut gemacht. Es hat auf mich gewirkt. Ich bin das Geschwür los und mir geht es wieder gut.
Ich kann mit Skepsis alle Ihre Erfahrungen kaputt machen. Um noch mal das Beispiel vom Kino zu nehmen: Ich kann mich neben Sie setzen und Ihnen den gesamten Film über die Tricks verraten. Dann würden Sie irgendwann sagen, "Du, ich möchte den Film genießen, so machst Du ihn mir nur kaputt."
Wenn ich zulasse, dass Wunder möglich sind, dann passiert auch eine Heilung. Wenn ich der Sache aber nur mit Skepsis begegne, dann verbaue ich mir die Möglichkeit, dass sich in meinem Gehirn Synapsen bilden, die tatsächlich andere Botenstoffe aussenden.

Sie vertreten die Auffassung, je drastischer eine Krankheit verläuft, desto drastischer muss die für die Heilung erforderliche Lebensveränderung ausfallen. Was aber ist, wenn der Schock beispielsweise über einen Unfall so groß ist, dass der Mut zur Veränderung fehlt oder dass man gar nicht erkennt, dass sich etwas ändern muss?

Wahrscheinlich trifft es auf die meisten Menschen zu, dass sie immer auf der materiellen Ebene eine Erklärung suchen und sagen: "Ich bin jetzt in diesem Elend, weil beispielsweise meine Zellen das Insulin nicht mehr produzieren oder meine Blutkörperchen nicht stimmig sind." Die Leute wissen ja manchmal mehr als der Arzt. Sie gehen ins Internet, recherchieren und sagen, in Amerika wird gerade ein neues Mittel entwickelt, da warte ich jetzt drauf. Sie legen eine unglaubliche Energie hinein, um auf der materiellen Ebene ein komplettes Gebäude für ihren Zustand zu finden.
Wenn man ihnen dann aber sagt: "Dreh´ doch mal die Medaille um, jedes Phänomen hat zwei Seiten, eine materielle und eine geistige. Du hast ja die materielle nun ausführlich recherchiert, jetzt schau dir mal die geistige an!", dann hören Sie: "Ja, ich war schon beim Psychologen, da ist nichts." Aber der Psychologe versucht nur über das Wachbewusstsein, über analytische Methoden Konflikte herauszuarbeiten.
Deshalb machen wir es so, dass das Gehirn, wenn es in eine niedrigere Frequenz kommt (14 Hertz), die Aktivität von der linken in die rechte Gehirnhälfte verlagert, also von der Ration in die Intuition. Im intuitiven, seelischen Bereich bin ich frei von den Grenzen von Raum und Zeit. Über diese intuitive Schiene komme ich schneller an die Konflikte heran. Das erfordert natürlich Disziplin und Aufwand. Weil ich entweder am Tag die Zeit finden muss, um in diesen meditativen Zustand zu kommen, oder es nachts versuche. Wir empfehlen immer die Nacht, weil man da sowieso schon auf einer niedrigeren Frequenz ist, die unterhalb von 7 Hertz liegt. In diesem Zustand wird dann nicht nur meditiert, sondern auch reflektiert. Das heißt, ich muss mich vorbereiten, Papier und Bleistift am Bett haben, um dann assoziativ aufzuschreiben, was zu meiner Krankheit an Inhalten hoch kommt. Dazu gehört auch Wut, längst Verdrängtes und Ähnliches. Alles hat immer irgendwie mit Liebe zu tun - Verlust, enttäuschte Erwartungen.
Wenn all das mal auf einem Blatt Papier steht, bin ich in der Lage, nachträglich den Konflikt mit einem anderen Menschen aufzulösen, ganz gleich ob die Person, um die es dabei geht, noch lebt oder bereits verstorben ist. Es gibt da diesen wahren Spruch: Für eine glückliche Kindheit ist es nie zu spät. In diesem Moment, in dem der Betroffene es schafft, den Konflikt in Frieden zu beenden, löst sich auch das Symptom auf. Die Erfolge eben uns Recht, dass wir auf diese Weise auf dem richtigen Weg sind.

Wenn ich Ihre Ansicht bezüglich einer drastischen Veränderung beispielsweise nach einem Unfall folge, drängt sich die Frage auf, ob das auf jeden zutrifft?

Ich habe weit über 400 Stunden Heilungen gefilmt und ich muss immer wieder feststellen, dass es keine erfolgreiche Heilung ohne eine erfolgreiche Lebensveränderung gibt. Alle anderen Geschichten haben sich bei der Recherche als nicht richtig herausgestellt. Denn immer wenn ich nachgeforscht habe, stellte sich am Ende heraus, dass die Person dann doch etwas im Leben geändert hat. Es wird ja immer gern kolportiert: "Geh zu diesem oder jenen Heiler, der legt dir die Hand auf und deine Schmerzen, unten denen du so lange gelitten hast, sind weg." Sozusagen Hokuspokus. Es läuft so nicht!
Wenn ich dann nachfrage: "Was ist denn passiert, nachdem der Heiler die Hand aufgelegt hat?", höre ich verschiedenste Geschichten. Zum Beispiel, dass die Person danach eine halbe Stunde geweint hat. Ich frage, wieso? Antwort: "Weiß ich nicht, ich war wohl so ergriffen." Aha! Das ist ja schon mal interessant. Weinen ist eine Art der Lösung. Frage ich dann weiter, erfahre ich z. B., dass die Person wieder nach Hause geflogen ist und ihren Job gekündigt hat. Ich frage dann immer: "Und das hat alles nichts mit Heilung zu tun?"
Man muss einfach den Zusammenhang sehen. Hätte die Person nichts verändert, hätte sich der Schmerz sicher bald wieder eingestellt. Aber durch die enormen Veränderungen hatte der Schmerz keinen Grund mehr wiederzukommen.

Das heißt, frei nach Rüdiger Dahlkes These "Krankheit als Chance", die wahre Bestimmung im Leben zu finden?

Immer. Sie ist ein Wegweiser für unsere Entwicklung. Wenn ich die Krankheit ernst nehme, dann verbirgt sich dahinter immer eine Geschichte, und in dem Moment, in dem mir diese Geschichte bewusst wird, weiß ich, was ich zu ändern habe.

Sie erwähnen im Buch die Körperwelten-Ausstellung, die einen ganz neuen Blick auf uns eröffnet. Ist es eine Voraussetzung, die Anatomie zu kennen, um die Selbstheilungskräfte zu aktivieren?

Mir hat der Besuch dort gut getan. Es war interessant, die Leute in der Ausstellung zu beobachten. Jeder hat ja immer irgendwas, was zwickt und zwackt. Da kann man erleben, wie jemand auf Krücken reinkommt und genau das Hüftgelenk anschaut, um exakt zu wissen, wie das alles aussieht. Dadurch, dass es präparierte Leichen und keine Plastikmodelle waren, hatte die Beschäftigung damit noch einen ganz anderen, ernsten Touch bekommen.

Sie kritisieren unser Medizinsystem und beklagen, dass die Schulmedizin gern mit Ängsten arbeitet. Muss der Patient mündiger werden, um sich dagegen zu wappnen?

Ich muss den Bewusstseinszustand des Arztes einschätzen. Wenn der nur auf der materiellen Ebene argumentiert, sozusagen mich als Maschine oder meine Zellen als Labor sieht, und nur über Input/Output redet, mag das alles stimmen. Aufgrund seiner Messwerte erzählt er bestimmt das Richtige. Als Diagnose kann ich das annehmen. Aber Therapie ist noch mal was ganz anderes. Da muss ich mich als ganzheitlichen Menschen sehen. Und dieses Bewusstsein haben viele Ärzte nicht. Weil sie allein schon durch ihre Fachausbildung darauf trainiert worden sind, den Menschen in Einzelteile zu zerlegen und immer nur dieses einzelne Teil zu bearbeiten. Aber sie sehen nie den gesamten Menschen mit all seinen seelischen und psychischen Aspekten. Wir sind aber nun mal ganzheitliche Wesen.

Sie plädieren für ein Umdenken, ein Problem nicht mehr als Problem, sondern vielmehr als Projekt zu betrachten. Betrifft das alle Lebensbereiche oder nur die Gesundheit?

Nein, alle Bereiche. Wir sind a nicht allein auf die körperlichen Aspekte fixiert. Wobei man es da natürlich am meisten spürt. Aber wenn jemand zum Beispiel nicht in der Lage ist, die richtige Wohnung für sich zu finden oder seine Finanzprobleme oder den Konflikt mit seinen Kindern zu lösen, kann er das auch als neues Projekt angehen. Diese Seele weiß, woran es krankt. Sie weiß, warum man seinen Schreibtisch nie aufräumen kann und was für ein Muster dahinter steht. Wenn mir das Muster bewusst wird, kann ich auch etwas ändern.

Aber damit uns das bewusst wird, sollte man schon die Hilfe eines Experten in Anspruch nehmen.

Ja - aber die Hilfe ist im Grunde nur eine Hilfe zur Selbsthilfe. wenn ich Klavierspielen lernen möchte, dann lerne ich das nicht dadurch, dass ich dem Klavierlehrer dauernd zuschaue, wie er spielt, um mich irgendwann hinzusetzen und es genauso zu machen. Der Lehrer hat die Funktion, mir zu sagen: "Du schaffst es! Mach, üb!" Im Grunde muss er mir in den Hintern treten, damit ich zu dieser Selbstdisziplin komme, meine Fähigkeiten zu entwickeln. Die kann mir der Heiler nicht abnehmen. Der Heiler ist nur dazu da, meinen Glauben an meine Selbstheilungskräfte zu stärken. Er darf nicht sagen: "Ich heile dich" und mich dann in dieser Passivität zurücklassen.

Wir haben schon über Krankheit als Chance gesprochen. Provokant gefragt, welche Veränderung ist denn z. B. bei einem Baby angezeigt, das schon krank geboren wird, oder einem Menschen, der von Kindesbeinen an eine Behinderung hat?

Ich habe so einen Fall gefilmt. Es ging um ein Mädchen, bei der festgestellt wurde als sie ins Krabbelalter kam, dass ihr Knie nicht mehr richtig funktioniert. Sie wurde operiert, es wurde nicht besser. Es folgten weitere Eingriffe, die nichts brachten. Als sie eingeschult werden sollte, wollten die Ärzte ihr Bein amputieren. Da fragt man sich natürlich: Was sagt man so einem Mädchen?
In ihrer Verzweiflung waren die Eltern bereit, unorthodoxe Methoden anzuwenden. Das Kind war noch zu klein, um alles aufzuschreiben, wie ich es im Buch beschreibe. Also bekam sie Papier und Stifte. Sie sollte ihr Knie malen und was sie damit verbindet. Im Laufe der Therapiestunden kam heraus, dass sie mit dem kranken Knie ein Erlebnis offenbar aus einem Vorleben verband. Man ließ sie dieses Erlebnis nochmals durchleben und ins Positive umkehren. Langsam stellten sich Verbesserungen bei ihr ein. Heute ist das Mädchen ein Teenager und sie konnte ihr Bein behalten.
Wenn man mit dem Bewusstsein allerdings nur auf der materiellen Ebene annimmt, dass man diesen Körper nur so lange hat, wie man lebt, und auch die Seele nicht in Betracht zieht, dann kommt man nie hinter solche Geschichten, die hinter Krankheiten verborgen liegen können. Wenn ich aber erkenne, dass ich ein geistiges Kontinuum bin, ohne Anfang und ohne Ende, das sich in seiner Zwischenform so verdichtet, dass daraus ein Körper entsteht, dann habe ich einen ganz anderen Zugang. Ich muss mit einem Kind keine ideologische Diskussion führen - "Glaubst du an Wiedergeburt, ja oder nein?" -, sondern ich nehme einfach das, was kommt.

Sie berichten im Buch von einem so genannten Zellen-Talk. Was halten Sie von der Theorie des Gedächtnisses der Zellen?

Zellen sind lebendige Wesen und kein Labor! Also muss ich mit ihnen genauso sprechen wie mit meiner Katze oder meinem Hund. Sie sind Wesen wie du und ich. Wir bestehen aus vier oder fünf Milliarden Zellen, die sich immer wieder erneuern. Ich habe irgendwo gehört, keine Zelle lebt länger als sieben Jahre. Das heißt, alle sieben Jahre sind wir komplett neu entstanden. Wenn ich im Zellen-Talk am Tag ihrer Geburt ihnen schon sage: "Ihr seid chronisch krank, ihr bekommt ein Medikament, weil ihr genauso seid wie eure Eltern", dann programmiere ich in diese Wesen genau diesen Zustand. Also brauche ich mich über eine Fortsetzung meiner Krankheit nicht wundern. Dabei ist jederzeit eine Umkehr möglich, indem ich en anderes Programm aufbaue.

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